Ein langjähriger Freund von mir kaufte sich in der Hochzeit der Pandemie ein Ferienhaus in Benalmadena. Somit kam ich erstmalig in den Genuß einen Urlaub in dieser Art zu verbringen. Ein vierbeiniger Freund durfte natürlich nicht fehlen, ergänzte er doch perfekt diese Art von Ferien und Freizeit.

Bisher zeichnen mich wilde Backpacker Tripps, Party, Drogen, Sexlife aus. Diesmal ist Vieles anders! Ich wohne für eine Woche in den Berghängen von Benalmadena. Hier hat es statt Traveller Feeling viele Rentner. Man trifft sich bei Aldi oder im Eiscafe am Strand. Hunde gehören selbstverständlich hierher, sind sie doch gute Bewacher der zahlreichen Immobilien, die sich die Ü60 Generation hier hingestellt hat.

Der Eigentümer der Immobilie ist ein Chefarzt einer Uniklinik in Deutschland. Er ist jedoch nur sporadisch an der Sonnenküste. Dafür ist Georg mit seinem Rüden „Schultzi“ den gesamten Winter hier. Somit ist das Ferienhaus bewohnt und gut bewacht.

Ich komme am 28.02.2023 hier an und lerne Schultzi kennen. Er war eine Strassenhundwelpe. Georg und weitere Freunde machten im Sommer 2020 auf Sardinien eine Motorradreise und fanden ihn. Georg freute sich riesig einen Vierbeiner, der mal sehr groß werden wird, in sein Leben zu schliessen.

Ich hatte selbstverständlich auch meine Freude an dem Freund auf 4 Pfoten. Wir erkundeten die Nachbarschaft und lernten die Hunde der Nachbarn kennen. Bella die junge Boxerhündin ist Schultzis beste Freundin. Die beiden spanischen Mastifs bellen laut, wenn ich an ihrem Grundstück vorbei ziehe. Und eine alte große Hündin vom Pferdebauernhof bellt laut, wenn Schultzi kommt. Die großen biestigen Mastiffs sind hinter hohen Zäunen weggesperrt.

In El Chorro gibt es eine Aussteiger Kifferkneipe im alten Bahnhof. Die wählte ich als Ziel einer Wanderung mit Schultzi. Von Alora aus gibt es einen ausgeschilderten Wanderweg dorthin (ca. 16 km). Nach Alora fährt die Cercanias (S-Bahn). Der Wanderweg führt durch Berglandschaften, die durch monströse Brücken der Schnellfahrstrecke Malaga-Cordoba zerschnitten werden.

Schultzi geniesst ein Bad in den Flussläufen. Endlich rennt er mal! Anderen Hunden begegnen wir auch, insbesondere in der Kifferkneipe. Das spanische Aussteigervolk lebt hier und ernährt sich in Form von Tour- und Kletterguides für Touristen.

Die Region um Malaga herum wird eher weniger von Backpackern besucht. Es sind andere Touristen. In Pizarra werden Enduro Trainings angeboten, in Ronda Mountainbiketouren. Diese ziehen zahlungskräftiges Publikum nicht nur aus Europa an. Malaga wird ab Mai 2023 direkt aus den USA angeflogen. Die Radler die ich traf, kamen aus Kanada. Das Billig-Feeling, welches ich in Laos erlebte, das kannste hier vergessen! Diese Art von Touristen sucht man hier nicht, wir sind im wohlhabenden Westeuropa.

Am Wochenende gehen wir in die schwulen Bars und Sexklubs von Torremolinos. Die Szene ist hier wesentlich größer als in Sevilla. Im Winter ist hier freitags und samstags etwas los, im Sommer dann täglich. Nach Madrid und Barcelona zählt das Nachtleben für LBGTIQ in „Torre“ zum Größten was auf dem spanischen Festland geboten wird. Das „Exxxtreme“ empfindet dem „LAB“ in Berlin nach. Um den 1. Mai herum steigt die Circuitparty „Infinity“! Im La Nogelera Zentrum befinden sich die meisten Bars, Clubs und Shops für Queers.

Am 10. März macht das Ritual Hotel nach seiner Winterpause wieder auf. Torremolinos erlebt im Vergleich zu Sitges eine lange Badesaison, da es im Süden Spaniens liegt.

Unser Gastgeber betonte mir gegenüber, wie die spanische Polizei während der Pandemiezeit willkürliche Kontrollen durchführte. Dies betrifft insbesondere Drogen. Ich erinnere die Freizügigkeit in Spanien. Wie leicht war es in Spanien Kokain zu bekommen und teilweise öffentlich in den Klubs zu konsumieren.

Unsere kleine queere Gruppe im Ferienhaus spricht offen über die Pandemie und die Maßnahmen, die ergriffen wurden, um Covid-19 in die Schranken zu weisen. Wir stimmen alle damit überein, daß es zu Freiheitsberaubung kam. Einer von uns betonte, daß selbst die in Nazis nicht so weit gingen, um Menschen die Freiheit zu nehmen. Ich ergänzte, daß seinerzeit die technischen Möglichkeiten dazu fehlten. Ansonsten möchte ich nicht wissen, was zur Zeit des 3. Reichs passiert wäre. Die anderen stimmten mir zu.

Wir stellen ebenso fest, wie viele Menschen wir kennen, die mittlerweile mit der AFD sympathisieren. Das wäre vor Jahren undenkbar gewesen. Auch in der queeren Gemeinde gibt es Leute, die die AFD wählen und deren Werte unterstützen. Ich traue der AFD nicht über den Weg und wähle sie nicht.

Ich besuchte während meines 12 tägigen Tripps auch noch andere Orte an der Algarve und in Andalusien. Zuerst zog es mich nach Faro an die Algarve. Dort wohnte ich im „Hostel Casa d’Alagoa“. Dort traf ich nette Menschen im Rahmen eines gemeinsamen Tapas Essen inklusive Sangria. Ich erzählte einigen Teilnehmern, wie ich die Pandemiezeit in Südamerika erlebte und mich habe nicht wegsperren lassen. Ich bekomme dafür viel Zustimmung. Korruption und Beamtenbestechung werden hingenommen und nicht pauschal abgelehnt, was die Einstellung hierzu einzelner Dinnergäste betrifft.

Seit dem Jahr 1998 war ich nicht mehr an der Algarve. Damals kam ich von einer wilden Drogennacht aus Sevilla hierher. Heute ist alles ganz anders für mich! Ich besuche mit der Eisenbahn umliegende Orte und beobachte die vielen Störche. An der Felsenküste der Stadt Lagos hat es tolle Bohlenwege. Ich beobachte die Natur und die Vögel. Die meisten Touristen sind in meinem Alter oder auch noch älter. Vor 25 Jahren war ich halt anders drauf!

Dann fuhr ich mit dem Alsa Bus von Faro nach Sevilla. Die gute alte Eisenbahn inklusive Fähre zur Grenzquerung der beiden Länder gibt es schon sehr lange nicht mehr. Die Algarve und Andalusien verbindet eine mächtige Brücke. Die Fahrzeit ist deutlich kürzer gegenüber früher und Traveller sind im Bus nicht unterwegs.

In Sevilla besuche ich einen Super Fickladen namens „El Bunker“! Praktisch jeder der Gäste ist hier nackt und ich bekomme das, was ich suche. Früher gab es das „Men to Men“. Heute heißt es „Pride“ Discopub. Völlige Langeweiler laufen hier rum und der Darkroom existiert nicht mehr. Das legendäre „Itaca“ existiert auch noch. Hier gehen die Jungen hin. Vor dem Laden wird selbstverständlich gedealt. Es ist bereits 4 h morgens und ich gehe nach Hause und habe genug Fun im „El Bunker“ gehabt.
Am Sonntag, den 26.02.2023 unternehme ich per Pedes eine Tour durch Sevilla. Es gibt ausgebaute Radwege. Mittags in einer Hochhaussiedlung für Normalsterbliche ein „Menü del Dia“ inklusive Wein, Selters und Kaffee für EUR 13 verzehren. Draußen auf der Terrasse, wir haben Frühling!

Sevilla ist super! So eine schöne und komplett restaurierte Stadt. Es ist voll! Touristenmassen wissen diese Stadt zu schätzen. Und dann finde ich eine tolle chillige Bar, wo ein DJ auflegt und coole Drinks serviert werden.

Der letzte Tag meiner 4 Tages Tour brachte mich nach Cordoba. Dort wohnte ich im „Backpacker Al-Karte“, welches als das beste Hostel der Stadt gilt.

Cordoba gefällt mir sehr gut. Ich bin jetzt wohl das 3. Mal hier. Das Hostel befindet sich in der Altstadt. Heute mache ich mir selbst was zu Essen und kaufe es in Supermärkten ein. Eine gute Flasche Wein gehört auch dazu. Ebenso besorge ich mir über diesen Weg mein Frühstück.

Der 12 tägige Trip kostete mich EUR 583 inklusive Flugkosten i.H.v. EUR 112. Macht pro Tag ca. EUR 48. Das zeigt wie teuer Reisen in Europa sind, denn den größten Teil dieser Reise wohnte ich kostenfrei und wir haben im Ferienhaus gegessen und bei Aldi eingekauft. Die ersten 4 Tage während meines Hosteltripps in den Städten benötigte ich ca. EUR 80 am Tag. In Südostasien kam ich abschnittsweise mit EUR 40 pro Tag klar.

