Treffen mit neuen Freunden nach der Pandemie in Israel

Tali und Andrej lernte ich im Oktober 2020 auf den Galapagos Inseln kennen. Wir reisten dann noch im Frühsommer 2021 in Kolumbien zusammen. Jetzt trafen wir uns zum ersten Mal nach unserer Rückkehr nach der Pandemie wieder. Ich reiste nach Elat in Israel, wo die beiden seit einem Jahr leben.

Die beiden waren annähernd 2 Jahre unterwegs und kehrten im August 2021 heim. Ich flog im Mai 2022 nach Berlin nach 787 Tagen Corona-Abhautrip zurück. Wenn Du so lange von zuhause fort bist, dann mußt Du so einiges beachten, damit Du Dich daheim wieder erfolgreich eingliederst und auch wohlfühlst.

Da können Dir so einige Barrieren entgegentreten. Diese zu überwinden, ja das mußt Du meistern! Nicht nur ich, auch Tali und Andrej erleben das tagtäglich in Israel. Wir sind nicht mehr im Hostel oder in der Ferne, wo wir stets neue Leute kennenlernen und die Ablenkung haben, die uns das Nachdenken erspart.

Hier am Roten Meer bekomme ich mit, wie schwer es für die beiden ist, mit dem Alltag klarzukommen. Jeden Tag arbeiten gehen. Für die sehr kleine Wohnung die monatliche Miete aufbringen. Die Öde des Alltags winkt entgegen. Erst Recht wenn der Lohn den Extrasprung nicht erlaubt.

Architektur in Tel Aviv

Ein super entwickeltes Land wie Israel kennt soziale Unterstützung vom Staat. Tali kommt ursprünglich aus Argentinien. Dort hilft Dir Papa Staat nicht. Somit liegt es auf der Hand, daß die beiden in Israel leben und nicht dort, wo das Herz des Backpackers schlägt.

Brieftauben Züchtung in Elat

Ich bekomme aktuell für ein Jahr Arbeitslosengeld. Die Sozialversicherung wird von der Arbeitsagentur übernommen. Das geht im reichen Deutschland. Dann darf ich noch EUR 165 im Monat legal dazuverdienen. Ich bin VIP Partyschmuggler und besuche fast jeden Werktag Events. Somit gibt es Essen und Drinks sowie Give Aways gratis.

Hier ein Essen zuhause

Ja davon läßt es sich leben. Die Länder, in denen wir uns rumtrieben, ermöglichen das nicht.

Auch die beiden bekommen etwas vom Staat dazu. Das ist der Hauptgrund, warum wir in die Heimat zurückkehren.

… und hier schmuggelten wir uns rein, inklusive Frühstück

Aber wir müssen mit dem Alltag zurecht kommen. Bei Tali und Andrej sehe ich das jeden Tag und es läuft holprig ab. Allein wie oft die beiden sich streiten. Arbeiten, saufen, schlafen und wieder arbeiten, ja das kann es nicht sein. Und genau das ist das Problem!

Im Club Hotel trinken wir abends Sekt, denn der ist gratis!

Wenn Tali mir sagt, daß die Tage im Hause während meines Besuches ihre besten und spannendsten sind, dann muß man etwas verändern oder Stellschrauben drehen. Klar ich stelle fest, daß die beiden in ein tiefes Loch gefallen sind.

Im „Red Canyon“ bei Elat

Ich frage Tali, wo hier Events sind, auf die wir uns reinschmuggeln können. Ebenso in welchen Ressorts wir die Buffets stürmen können, oder uns dort am Pool verwöhnen lassen.

Klar, Tali kennt sich gut aus. Wir inspizieren einige Hotels. Es beginnt mit kostenfreiem Sekt bei überwiegend langweiligem Entertainment. Aber einen Trinken gehen ist verdammt teuer in Elat.

Hier bin ich Heuschrecke!

Im „Club“ Hotel wird im Culinarium abends ein tolles Buffet zelebriert. Das müssen Hotelgäste dazukaufen. Es kostet mindestens ILS 200. Zu zweit versuchen wir das an zwei verschiedenen Abenden. Es klappte nicht!

Es ist genug für alle da!

Eines Abends muß Tali arbeiten gehen. Somit begebe ich mich alleine ins „Club“ Hotel. Mit dem kostenfreien Sekt wollte ich mich nicht zufrieden geben. Dann witterte ich meine Chance. Nur eine Hostess am Counter. Dann Gedränge! Gleichzeitig betritt ein Mitarbeiter mit Rollwagen den Bereich. Meine Chance! Ich bin drin! Keine Kontrolle und jetzt beginnt die Schlacht am Buffett. Gleich noch ein Video gedreht und dieses stolz an die Community kommuniziert.

Zusammen im Red Canyon mit einem weiteren Traveller

Eines Morgens zieht es Tali und mich in ein besonders luxuriöses Hotel am Strand. Dort wollen wir frühstücken. Es klappt, wie prognostiziert. Wir genießen ein tolles Frühsrück mit allem drum und dran. Danach geht´s an den Pool. Kein Mitarbeiter bemerkt, dass wir keine Hausgäste sind.

En Gedi Oase

Tali verfügt über einen Presseausweis und hat gute Kontakte. Eine Hostelgruppe, freut sich einen Blogger aus Deutschland kennenzulernen. Somit werde ich für israelische Hostels in Deutschland werben. Im Gegenzug dürfen Tali und ich in den betreffenden Einrichtungen kostenfrei nächtigen.

Selbstverständlich mit Presseausweis

All das sind Beispiele, die unser Leben bereichern. Endlich kommt für Tali Leben in die Bude. Der ansonsten öde Alltag wird unterbrochen.

Dahab im Sinai

Für 4 Tage und drei Nächte fahre ich nach Ägypten auf den Sinai. Hier ist Heuschrecken Leben am Buffett schwer möglich. Somit steigen meine Kosten.

Ich will mit dem Bus von Taba nach Dahab fahren. Aber es gibt keine Busse. Ich zahle im Sammeltaxi EUR 24 für 140 Kilometer Strecke. Die Ordnungsmacht erlaubt in Taba das Trampen nicht. Woanders trampe ich, muß im Regelfall fürs mitgenommen werden bezahlen. In Ägypten schenkt Dir niemand etwas.

Am Grenzübergang zwischen Israel und Ägypten werden Gebühren von EUR 50 fällig. Somit kosten mich die 4 Tage auf dem Sinai EUR 270. Darin enthalten ist ein toller Schnorchelausflug zum „Blue Hole“ und zur „Blauen Lagune“.

Dahab ist brechendvoll mit Touristen aus Kairo und großen Städten. Traveller gesellen sich dazu. Einige wenige brechen auf zu einem großen Afrika Tripp. Somit treffe ich im „Deep Blue Surf Camp“ interessante Backpacker. Es gibt eine Hand voll Schlafsaal Herbergen.

Es zieht mich auch zum Katharinen Kloster. Den Moses Berg besteige ich nicht. Das geht nur mit „Guide“. Der ist teuer! Ich versuche auf den Trail ohne Führer zu gelangen. Aber die Touristenpolizei hat überall stationäre Posten. Allein zwischen dem Dorf zum Kloster und weiter zum Trail gibt es 3 Kontrollstellen auf 2 Kilometern.

Der Sinai ist verhältnismäßig teuer. Es gibt kaum Busse zwischen den Orten. Trampen bildet eine gute Möglichkeit gegen Kosten, die höher liegen als eine Benzinkostenbeteiligung, ab. Die Restaurants in Dahab am Strand wissen, was sie verlangen können.

Katharinen Kloster

Alkohol gehört nicht zum Tourismusalltag in Ägypten. Im Shop bekommst Du welchen, aber im Restaurant ist das meistens Fehlanzeige. Die Restaurants in Dahab, die teuren Alkohol anbieten, servieren häufig schlechtes Essen. Da gehe ich schlichtweg nicht hin. Die besten und zudem preiswerten Restaurants bieten ganz andere Gaumenfreuden an.

Der Sinai ist dennoch sehr beeindruckend. Tolle Landschaft, Kulturgeschichte und Korallenriffs vom Feinsten. Und im Oktober herrscht Hochsommer! Dahab bietet eine ausgezeichnete Infrastruktur. Sharm El Sheikh ist weniger ein Ort für Individualreisende.

The Western Wall

Tali und ich zieht es nach Jerusalem, Haifa und Tel Aviv. Aktuell sind die Eged Bustarife sehr niedrig. Am 13.10.2022 fahren wir morgens mit dem Bus von Elat ans Tote Meer. Dort hat es eine neue und komfortable kommunale Strandanlage. Dort steigen wir aus dem Bus aus und geniessen die Anlage und das Tote Meer.

Am Toten Meer

Danach geht es mit dem „Daumen raus“ zur Wüstenoase „Ein Gedi“. Mit Presseausweis müssen wir weder reservieren, noch den Eintritt bezahlen. Ich war bereits 2 mal in Ein Gedi. Tali kennt dieses Paradies mit Botanik und viel Wasser in der Wüste noch nicht. Heute ist es brechendvoll mit Besuchern.

Wir trampen nach Jerusalem und werden direkt vor der Haustür von Leor rausgelassen. Bei ihm wohnen wir für eine Nacht.

Zusammen mit Leor

Leor hat etwas gutes gekocht und wir verbringen den Abend zusammen. Das Bier besorge ich.

Am Folgetag machen wir einen Ausflug zu Fuß nach „En Karem“. Leor zeigt uns diesen Bezirk. Dort lebt Antonia aus Berlin seit längerer Zeit mit Mann und Kind. „En Karem“ ist sehr touristisch mit schönen Häusern und teuren Restaurants. Es ist eine Christengemeinde.

Am Mittag zieht es uns auf einen jüdischen Souk. Der ist rappelvoll, aber auch hochpreisig. Wir benötigen ja noch etwas zum Abendbrot im Hostel.

Später checken wir im „The Post“ Hostel ein. Dazu habe ich einen extra Beitrag (bezahlter Content). Das Hostel ist sehr komfortabel und ein Ort zum Verweilen. Im Regelfall hat das auch seinen Preis. Israel ist touristisch sehr gut aufgestellt.

In Jerusalem fährt eine sehr moderne Strassenbahn und verbindet die meisten touristisch interessanten Stadtteile.

Heute ist Shabbat! … und gleichzeitig Urlaubszeit! Orthodoxe und ultra orthodoxe Juden machen sich auf zum Beten an der Klagemauer. Sie ziehen zu Tausenden dort hin. So viele streng religiös gekleidete Juden habe ich noch nie in Jerusalem gesehen. Unglaublich was da los war. Wenn ich mich diskret verhalte und mich an die Regeln des Shabbat halte (nicht fotografieren, Kleiderordnung), dann will ich mir dieses spirituelle Zeremoniell nicht entgehen lassen. Ein absoltutes Muß für Deinen Jerusalem Besuch.

Am Samstag zeigte uns Leor den Stadtteil „Mea Shearim“. Diesen Stadtteil zu erleben finde ich wesentlich spannender als in der Altstadt von Jerusalem herumzulaufen. Ein Kameramann der ARD sagte mir, daß er niemals im Arbeitseinsatz nach „Mea Shearim“ gehen würde. Dort werfen sie mit Steinen nach Dir, wenn Du dort filmst.

„Mea Shearim“ ist aus einer anderen Welt. Die ultra orthodoxen Juden leben wie im tiefsten Mittelalter. Der Stadtteil wirkt extrem verarmt. Alles ist vermüllt und verdreckt. Die dort lebenden Juden leben in einfachsten Verhältnissen.

An den Wänden hängen Plakate. Verschwörung macht sich breit. Sektentum und Fanatismus sind stark verbreitet. Es ist beängstigend, was ich hier erlebe. Der Gedanke, dass die auf mich losgehen ist stets präsent. Ich gehe durch ein Ghetto! Orthodoxe Juden hat es sehr zahlreich in Jerusalem, aber in „Mea Shearim“ ist alles noch viel extremer.

Ein Sukkot von außen
Und von innen

Als LGBTIQ plus Mitglied mußt Du überall in Jerusalem sehr vorsichtig sein. Religiöse Fanatiker vieler Religionen machen sich hier breit. Juden, Muslime aber auch Christen. Interessant anzusehen, aber Jerusalem ist nichts für mich. Das Leben in dieser Stadt ist zu extrem. Und es ziehen immer mehr dieser Leute hierher. Ich bin vor Jahrzehnten hier gewesen. Aber so viele fanatische Juden habe ich noch nie gesehen.

León

Die Sukkot Feiertage sind sehr spirituell und farbenfroh. Dieses jüdische Fest wird von sehr vielen Juden gefeiert, nicht nur den Ultra Orthodoxen. Während des Sukkot lohnt sich eine Israel Reise erst recht, denn die Menschen feiern und kommen zusammen. Es gibt auch jede Menge orthodoxe Juden, die nicht so extrem leben.

Auch in Elat wird Sukkot gefeiert. Aber orthodoxe Juden sieht man hier kaum.

Ultra orthodoxe Juden haben etwas gemeinsam mit der schamanisch geprägten Hippieszene. Beide haben ihre Regeln, von denen sie nicht abweichen. Was in San Marcos am Atitlansee geschieht zeigt Parallelen zu „Mea Shearim“ auf. Das moderne Israel, welches diese Sektenform strikt ablehnt, stellt etwas anderes und vor allen Dingen Weltoffenes dar.

Verschwörungstheorien werden in „Mea Shearim“ als auch in San Marcos offen gelebt.

In Jerusalem hat es seit 2019 einen sehr modernen Bahnhof. Auf einer der neuesten Bahnstrecken im Mittleren Osten kommst Du in 30 Minuten nach Tel Aviv und somit in eine völlig andere Welt. Hier triffst Du vermutlich eine der offensten LGBTIQ Plus Gemeinden im asiatischen Raum an. Die neue Schnellfahrstrecke verbindet zwei Welten mit einem Nahverkehrsticket, die nicht krasser auseinander liegen können.

Am 16.10.2022 fahren wir von Jerusalem nach Haifa. Dort nächtigen wir im „Haifa Hostel“. Hierbei handelt es sich um ein klassisches Traveller Hostel, zumal es wesentlich einfacher ausgestattet ist im Vergleich zu unserem Hostel in Jerusalem.

Bahai Gardens in Haifa

Ensprechend voll war es hier. Wir trafen eine Gruppe von Russen, die sich nicht als Reservisten für den Kriegseinsatz einziehen lassen wollen.

Im Hostel wurde sehr viel gekocht. Teilweise mußte man warten, bis es Platz hatte.

Wir waren noch ein wenig gourmetmässig unterwegs in Haifa. Dazu schreibe ich einen Beitrag „Israels unübersehbar Gourmetmetropole Haifa“.

Meinen letzten Tag verbrachte ich mit Tali am Strand in Haifa. Es war immer noch sommerlich warm.

Am frühen Abend fuhren wir mit dem Bus nach Tel Aviv. Dort wohnten wir im „The Spot“ Hostel. Ich schreibe einen Beitrag über dieses hippe Hostel, wo die Schlauen absteigen. Israelis sind innovativ was neue Trends betrifft. Insbesondere in einer Stadt, die zu den teuersten weltweit zählt.

Stella Maris Kloster

Und am 18.10.2022 ging es für mich zurück nach Berlin mit Easyjet. Leider fliegen die von Terminal 1 ab. Dort hat es keine einzige Lounge. Mein Hobby, das Schmuggeln konnte ich nicht einsetzen.

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