Der Tag in Lima, Peru nach dem Tod von Inti Sotelo und Jack (Bryan) Pintado

Am 14.11.2020 starben bei Demonstrationen gegen die Absetzung des Peruanischen Präsidenten Vizcarra und Einsatz des Interim Präsidenten Manuell Merino die zwei oben genannten Demonstranten durch Gummischrott aus Polizeigewehren.

Die Trauer ist groß und der Schock sitzt tief in Lima und Peru. Am 15.11.2020 gehen mehr als 30.000 Menschen auf die Strasse. Nicht nur im Zentrum, auch in Miraflores und Barranco finden Demonstrationen und Mahnwachen statt.

Peru befindet sich im Ausnahmezustand. Nach Todesfällen in Chile und Kolumbien sterben jetzt auch junge Demonstranten in Peru.

Südamerika steckt in einer schweren politischen Krise. Nur Costa Rica und Uruguay melden keine schockierenden Nachrichten.

Peru kommt nicht zur Ruhe. Dem Tourismus werden diese Bilder schaden. Diese Bilder gehen jetzt um die Welt. Zu einem Zeitpunkt wo Peru sich wieder öffnet nach der Corona Krise und auf Devisen von Touristen hofft.

Seit September 2019 knallt es in Lateinamerika heftig. Zuerst in Quito, Ecuador, dann in Santiago de Chile, später in Buenos Aires und Bogata. Jetzt in Lima und anderswo in Peru.

Ich bin heute auf den Demonstrationen in Miraflores, im Zentrum von Lima sowie in Barranco gewesen. Die Stimmung ist bedrückend aber auch aufmunternd zugleich. Es gehen mehrheitlich junge Menschen auf die Strasse. Die Stimmung ist nicht agressiv. Autonome sieht man eher nicht. Die Demonstrationen haben eine sehr nationalistische Ausrichtung für das Vaterland Peru.

Waffenhandel auf der Strasse am Rande der Demonstration

Ich würde mich freuen, wenn diese Bilder freiheitsliebende Menschen vor die Botschaften Perus in aller Welt lockt, um ihr Mitgefühl für Leben, Meinungsfreiheit, gegen Korruption und Folter auszudrücken.

Die Nacht zum 16.11.2020 blieb friedlich. Am Montag, 2 Tage nach dem Tod von Inti und Jack fanden weitere Mahnwachen statt. Die zumeist sehr jungen Demonstranten sind völlig geschockt und die Trauer sitzt tief.

Klaus Juergen Rattay starb am 22.09.1981 im Alter von 19 Jahren im Rahmen einer Demonstration in West Berlin, die sich unter dem Innensenator Heinrich Lummer durchgeführten Räumung von 8 besetzten Häusern richtete

Ebenso am 16.11.2020 fand in Arequipa, der zweitgrößten Stadt Perus eine Demonstartion statt.

Die Demonstrationen und Mahnwachen für die beiden ums Leben gekommenen Demonstranten erinnern mich an meine Demozeit zu Beginn der 80 ziger Jahre. Die Gesichter der zumeist sehr jungen Menschen drücken Hoffnung aus. Hoffnung für Zukunft, Gerechtigkeit, Gleichheit, Demokratie und gegen Korruption sowie Armut. Ja, sie haben eine Vision!

so sehen sie aus, die Gewehre aus denen „Pellets“ verschossen werden

Was fehlt? Sie kämpfen nicht gegen den Staat. Sie sind stolz darauf, Peruaner zu sein. Aufrufe zur Revolte? Fehlanzeige!

Am Tag, als Klaus Jürgen Rattay starb, versammelten wir uns in Düsseldorf im besetzten Haus in der Neusser Strasse. Ich fuhr mit meinem Auto dorthin.

An der Häuserwand des besetzten Hauses hing ein Banner: „Ihr habt einen von uns ermordet, jetzt kämpfen wir erst recht“! Das drückt deutlich den Unterschied zu unserer Vision und unserem Handeln gegenüber dem, wofür die Menschen in Peru jetzt auf die Strasse gehen, aus.

Heute würde ich für die Vision Anfang der 80 ziger Jahren nicht mehr auf die Strasse gehen. Wir suchten den Konflikt und nutzten Gewalt als Mittel zum Zweck. Unsere Liederszene war gewalt- und hasserfüllt.

Genau darum geht es hier nicht. Die Menschen auf der Strasse tragen Trauer und bringen diese auf die Strasse. Es geht um den Tod zweier Menschen, die keine 25 Jahre alt wurden. Ich habe hier keinen Hass erlebt. Erst Recht keine Gewalt. Die Bevölkerung steht hinter den Demonstranten!

Schockierend für die Szene der 80 ziger Jahre in Deutschland ist, dass vereinzelte Anhänger dieser Bewegung heute ein Parteibuch bei der AFD tragen und noch zahlreicher auf den Querdenker Demos anzutreffen sind. Menschen, die jetzt in meinem Alter sind!

Gewalt bildet nicht das Mittel zum Zweck. Das haben hier in Peru die meisten Menschen verstanden, die auf die Strasse gehen.

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