Corona Virus: Ich hau ab nach Chile!

anhang1-1
Was wird mich erwarten?
DSC02527
Ich rebelliere auf meine Art und Weise!
DSC02582
Wandgemälde in Valparaiso: Es zeigt eine Frau, die einen durch Gummigeschosse augenverletzten Hund versorgt. Typisch für die aktuelle wilde Zeit in Chile!
DSC02533
Architektur auf den Hügeln von Valparaiso

Mir reichts! Ich war stets immer auf der Suche nach einem Ort, falls das Leben daheim schwierig und kritisch wird. Vor 4 Jahren lernte ich La Serena und das Elqui Tal kennen. Ich beschloss bereits damals, mich dorthin zu begeben, wenn der Fall X eintritt. An eine Pandemie dachte ich aber nie, eher an Krieg oder dass eine Partei wie die AFD an die Macht kommt. Im März kriselte es bereits mächtig in Europa. Es wurde Zeit für mich, den Trip nach Südamerika zu starten, bevor es zu spät wurde. Das Flugticket buchte ich Mitte Februar, ohne an Corona zu denken.

Eine Bestandsaufnahme:

Es dreht sich in diesem Beitrag um das was ich erlebe, spüre, fühle und mitbekomme. Was ist hier anders als daheim. Ist es für mich richtig oder falsch, dass ich es mache. All das will ich in den Wochen und vielleicht Monaten ergründen.

DSC02576
Eine durch Krisenzeiten geprägte Momentaufnahme in einem durch Widerstand und Protest geprägten Viertel in Valparaiso

Kurzzusammenfassung:

März 2020
* mein Flug nach Chile
* die ersten Tage in Chile
* meine Zeit in Pucon im Willhouse Hostel

April 2020
* meine Zeit in Vicuna im Hostal El Colibri in der Provinz Coquimbo
* mein weiterer Verbleib im AJIverde Hostel in La Serena in der Provinz Coquimbo

Mai 2020
* Weiterreise nach Iquique ins Iquique Backpacker Hostel
* Hürden – Tramptour von Iquique über das Wüstendorf Huara nach Arica
* Mein Verbleib in der Provinz Atacama und der Stadt Copiapó

DSC02530
Die Hügel von Valparaiso

Details:

Mein Flug nach Chile

Mitte Februar 2020: Ich buche einen Flug von Berlin über Paris nach Santiago de Chile für den 25.03.2020. Zuvor plante ich eine Reise nach London vom 18.03. bis 23.03.2020. Daher das Datum 25.03. für den Startzeitpunkt meiner ursprünglich geplanten Abreise.

Am 10.03.2020 fliege ich für 3 Tage nach Mallorca. Mega Günstig Angebot für Flug / Hotel / Mietwagen.

02_anhang2
Der letzte geöffnete Abend im Bierkönig. 72 Stunden später bin ich in Chile

Am 12.03.2020 sperrt Donald Trump die USA für Einreisen aus Europa. Ich versuchte bei Air France anzurufen. Meine ältere Schwester rief an, ob ich nicht meinen geplanten Flug vorverlegen sollte. Danach rief ich innerhalb von 2 Stunden mindestens 50 mal bei Air France an. Jetzt kam ich durch. Ja es hat geklappt: Ich werde jetzt am 15.03.2020 fliegen. Reise nach London abgesagt und Freunde informiert. Ticket bei British Airways war aber noch nicht stornierbar. Scheiss drauf! EUR 100 weg.

13.03.2020: Das Slime Konzert im SO 36 für den 14.03.2020 wird abgesagt. Ich fliege abends von Malle zurück nach Berlin Tegel.

14.03.2020: Ich denke, dass es besser ist, sofort zu fliegen. Ich rufe morgens um 9 h bei Air France an und buche für den Abend am gleichen Tag um. Ich fange sofort an zu packen, Krankenversicherung Online abzuschliessen, 2 wichtige Einkäufe zu machen und Freunde zu informieren. Letzte Besprechung mit meinem Mitbewohner. Wertgegenstände vom Keller in die Wohnung verfrachten!

Um 15:30 h begebe ich mich zurück zum Flughafen Tegel.

Mein Berlin wirkte auf der Fahrt zum Airport düster. So etwas habe ich in dieser Stadt noch nie gespürt. Es war beängstigend! Das ist nicht das, was ich von dieser tollen Stadt kenne. Bloß weg hier. Es kommen schlimme Zeiten! Das was in der Folgezeit auf Berlin zukommen wird, will ich nicht sehen und erleben.

Fast alle Fluggäste der Air France um 17:55 h nach Paris haben großes Gepäck dabei. Es sieht danach aus, dass fast jeder nach Lateinamerika aufbrechen will.

Ich dachte mir, dass ich mich vom Flughafen Tegel jetzt für immer verabschieden werde. Das wird mein letzter Flug von diesem altehrwürdigen Airport, den ich seit über 40 Jahren kenne und lieben gelernt habe. Ein beklemmendes Gefühl!

Im Wartebereich storniere ich meinen Flug nach London online. Ich erhalte von British Airways dafür einen Gutschein. Also die EUR 100 sind nicht weg. Hurra!

Gegen 18 h ist es aber noch nicht 100 % sicher, ob mein Weiter-Flug ab Paris um 23.40 h auch wirklich abheben wird und darf.

In Paris angekommen, begebe ich mich in das Langstreckenterminal „E“, Abflughalle „K“! Dort sollen an diesem Samstag Abend noch einige Flüge nach Brasilien, Argentinien plus mein Flug nach Santiago de Chile starten. Mein Flug ist der letzte, der in dieser Nacht in Paris abheben wird.

04_anhang4
Heute keine Schmuggelaktion in die Lounge! Ich bezahle mit 10.000 Meilen von meinem Konto

Weil ich 4 Stunden Zeit hatte, wollte ich mich in die Air France Business Class Lounge hereinschmuggeln. Das mache ich ja stets, wenn ich auf einen Langstreckenflug gehe! Ich suchte insgesamt 2 Lounges im Terminal ab. Es gab aber kaum Fluggäste, die eine Lounge aufsuchten, damit ich mich am Welcome Desk vorbeimogeln konnte. Zuletrzt gelang mir das im Januar im Flughafen von Doha.

03_anhang3
Weil ich hier legal drin bin, so gibt´s ein gutes Genussgelage für mich zum Abschied von Europa

Ich versuchte es erneut, um in die Business Class Lounge herein zu kommen. Ich ging aber diesmal direkt auf die Hostess zu. Sie begrüßte mich sehr freundlich. Sie sagte, bitte legen Sie ihre Bordkarte auf den Scanner. „Sie haben genügend Meilen auf Ihrem Vielfliegerkonto, Ich lasse Sie für 10.000 Meilen herein!“ Es waren immer noch 3,15 Stunden bis zum Abflug.

Ich dachte scheiss drauf, ich werde mich jetzt hier besaufen. Scheiss Corona! Hier feier ich meinen Abschied von Corona! Und von Europa!

In der Lounge lies ich es mir so richtig gut gehen. Schliesslich hatte ich 2,5 Stunden Zeit, um mich hier verwöhnenzu lassen. Es gab sehr schöne kleine Tapas, sensationelle Käse Spezialitäten. Champagner, ausgezeichnete Weine und Cognac. Auch die Säfte und Softdrinks verachtete ich nicht. Willkommen im Schlaraffenland! Wir sind in Frankreich.

Ca. 40 Fluggäste waren hier! Die Lounge war nicht voll. Ich war der letzte Gast, der die Loune um 22:50 h verlies! Zuvor packte ich noch meinen Rucksack voll mit leckeren abgepackten Snacks zum Mitnehmen.

Während meiner Zeit in der Lounge telefonierte ich mit ein paar Freunden und kommunizierte per Whats App.

05_anhang5
Volltanken: Ein langer Trip liegt vor uns! Auf Wiedersehen Corona Virus!
07_anhang7
Heimlich habe mich hier reingeschmuggelt! Mal sehen ob der Purser das bemerkt! Die gesamte Reihe alleine nur für mich!

Dann begab ich mich zum Flugzeug, einer riesigen Triple 7. Ich nahm Platz in der ersten Reihe der Economy Class, einen Sitz am Gang mit Extra Beinfreiheit. Das war sehr wichtig für mich, denn mit 14,5 Flugstunden sollte es mein längster Nonstop Flug meines Lebens werden.

08_anhang8
schön viel Beinfreiheit! Aber bezahlen will ich dafür nicht! Der Service , sprich Essen und Trinken entspricht genau der Economy Class

Zeitweilig war kaum Peronal in dem riesigen und unübversichtlichen Flugzeug zu sehen. Die Reihe vor mir gehörte bereits zur „Premium Economy“. Dort sass niemand in der letzten von insgesamt 3 Reihen dieser sogenannten Zwischenklasse. Frech wie ich war, setzte ich mich einfach um! Ich auf dem Fensterplatz und nebenan Gangplatz ohne Fluggast. Dort sass ich ca. 30 Minuten. Wir sind bereits kurz vor dem Start: Da kam der Purser und sprach mich mit meinem Namen an. Schade, mein Plan ging nicht auf, ich musste auf meinen gebuchten Platz zurück!

Dann gings los! Vollgetankt musste der Koloss jetzt beschleunigen und ca. 12.000 km lagen vor uns.

Ein ganz merkwürdiges und bedrückendes Erlebnis auf AF 406! Europa versinkt im Chaos! Ich bin weg! Wer weiss, vielleicht für immer!

Nach dem Essen so gegen 2 h nachts, kam der Purser nochmal bei mir kurz vorbei. Er lud mich auf einen Drink ein! Er war irgendwie sehr nett! Auch am nächsten Morgen zum Frühstück begrüßte er mich sehr herzlich.

Wir durften 10 Stunden schlafen, bevor wir geweckt wurden. Es gibt nur wenige Flüge, die so viele Stunden unterwegs sind. Von Paris aus ist es die längste angebotene Nonstop Strecke.

14 Stunden später kamen wir in Santiago an.

10_anhang10
Problemlos konnte ich ohne Qurantäne Zwang einreisen

15.03.2020: Alle Passagiere von AF  406 werden mit Vorfeldbussen zu einem Raum gebracht, wo jeder auf seine Gesundheit untersucht wurde. Das Flugzeug wurde weit weg von allen anderen Flugzeugen geparkt. Niemand aus unserem Flugzeug sollte mit anderen Passagieren im Terminal in Kontakt kommen. Jeder der ca. 250 Fluggäste wurde einzeln aus dem Flugzeug gelassen.

Die Gesundheitskontrolle konnte ich problemlos ohne Qurantänepflicht passieren.

DSC02525

Die ersten Tage in Chile

Ich fuhr dann mit dem Bus nach Valparaiso. Diese Stadt kannte ich. Vor 4 Jahren war ich mal da. Das Hostel, wo ich damals wohnte, war geschlossen und aufgegeben. Somit begab ich mich zum nahe gelegenen Le Voyage Hostel.

DSC02575
Hunde vor dem Wandgemälde

Abends gab es Party. Corona war auch hier angekommen! Das beherrschende Thema unter den Travellern! Es ist gegen 1:30 h. Wir hören elektronische Musik. Einer der Volontäre gibt für jeden in der Runde auf einem Messer kleine Kokain Linien aus. Wir waren zu sechst! Ich dachte, dass fängt ja hier gut an. Wir sind bereits zuvor in der Stadt „einen Heben“ gegangen. Eine Flasche Rotwein habe ich auch bereits getrunken. … und jetzt wird auch noch die Nase gepudert! Willkommen in Südamerika! Zur Ruhe kam ich nicht! Obwohl es nur eine sehr kleine Koksmenge gab. War ja auch gratis!

DSC02546
Er lebt sorgenfrei!

16.03.2020: Noch ist alles irgendwie normal in Valparaiso! Ich nehme an einer geführten Stadtführung teil. Kaufe im Supermarkt ein und koche jetzt selbst für mich im Hostel. Abends dann wieder Party! Gegen 1 h gibt mir mein Zimmergenosse, ein ca. 60 jähriger verrückter chilenischer Künstler ein kleines Tütchen mit etwas Koks für 2 Personen. Wir gehen auf die oberste Terasse und bereiten Linien vor. Ein Dritter Gast kommt auch hinzu. Ich dachte: 4 Jahre gab es kein weisses Gold für mich. Zuletzt hatte ich das während meiner letzten Südamerika Reise. Verrückte Zeiten!

DSC02555
Einer von 6 funktionstüchtigen Aufzügen in Valparaiso

17.03.2020: Es wird ernster: Die Stadtführung (es gibt verschiedene) darf aus Hygiene Gründen nicht mehr angeboten werden. Alternativ gibt es eine Grafitti Tour durch das alternative Viertel der Stadt an der mehr als 20 Leute teilnehmen. Hier überall Marihuna Gerüche. Selbst in vorbeifahrenden Autos wird gekifft.

DSC02526

Im Hostel machen sich einige Gäste jetzt große Sorgen. Laufend telefonieren sie mit Angehörigen daheim. Einige überlegend jetzt deutlich, ihren Urlaub abzubrechen.

DSC02543

Nachts gegen 1 h fragte mich der Zimmerkollege, ob wir uns 1 Gramm Koks teilen sollen. Ich dachte: Nein, es reicht jetzt! Nicht jede Nacht Drogen und Saufen! Das Koks soll angeblich nur EUR 11 kosten. Super preiswert, aber jetzt nicht! Er kannte den Dealer, von dem auch der Stoff der ersten Nacht hier stammte.

DSC02534

18.03.2020: Ich fuhr nach Talca im zentralen Chile südlich von Santiago gelegen. Im Bus sprach mich ein chilenischer Faschist an. Er erwähnte, dass er den Betreiber der Colonia Dignidad Paul Schäfer kannte. Mir war aber bereits zuvor bekannt, das im berühmten Weinanbaugebiet von Chile sich Nazis stets wohl fühlten.

Abends in Talca angekommen, traf ich auf eine andere Welt. Das Hostel habe ich schnell direkt beim Bahnhof der Stadt gelegen, gefunden. Restaurants waren aber bereits alle geschlossen. Auch die Supermärkte machten bereits um 19 h zu. Beim Späthi bekam ich meine Flasche Wein plus Pizza in einem Take Away.

Hier verbrachte ich die erste Nacht mal ohne Party und mit gutem Schlaf!

DSC02586
Der „RAMAL“ Schienenbus fährt morgens um 7:40 h in Talca ab

19.03.2020: Um 7:40 h wollte ich meinem Eisenbahn Hobby nachgehen. Ich fuhr mit dem „Ramal“, einem alten Schienenbus auf der Schmalspurbahn von Talca nach Constitucion durch das wunderschöne Tal des Flusses Maulle. Das waren schöne drei Stunden Zugfahrt. Und es hatte sogar eine Reisegruppe im Zug! Plus 2 sehr aufgetakelte Transmänner. Das mit den Touristen sollte sich in der Folgezeit drastisch ändern.

DSC02590
Zugkreuzung !

In Constitucion übernachtete ich in einem eher merkwürdigen Hostel, dass aber geöffnet war. Alle Restaurants waren geschlossen. Der Markt und Essensküchen hatten mittags geöffnet. Man durfte dort auch essen! Auch das sollte sich zukünftig ändern.

DSC02596
Die Küste bei Constitucion

Ich mietete mir ein Fahrrad und erkundete die schöne Umgebung. Im Rathaus bekam ich die Info von einer Mitarbeiterin.

20.03.2020: Ich fuhr zurück mit dem Bus nach Talca und von dort weiter nach Pucon. Dort ist es besonders schön. Es gibt dort einen sensationellen aktiven Vulkan. Den erspähte ich vor 4 Jahren aus dem Flugzeugfenster! Pucon liegt 750 km entfernt von Santiago im „Kleinen Süden“ des Landes.

05_anhang5
Das Willhouse Hostel. William hat es selbst aus Holz gezimmert!

Meine Zeit in Pucon im Willhouse Hostel

Gegen 21:30 h kommt der Bus in Pucon an. Ich begab mich sofort zu einem Hostel. „Geschlossen“ hiess es! Es war bereits kurz vor 22 h! In der Nähe gab es das Willhouse Hostel. Die hatten noch offen! Dort blieb ich für 5 Nächte!

Gleich nach meiner Ankunft traf ich einen Engländer, der nur eine Stunde vor mir in das Hostel eincheckte. Der hatte noch ein halbes Jahr Urlaub vor sich. Er sprach kein Spanisch und wollte nur noch eins: Nach Hause! Er buchte mit meiner Hilfe Online noch am selben Abend einen Bus von Pucon nach Santiago für den nächsten Tag. Er suchte Hilfe bei der UK Botschaft, um heimzufliegen.

Im Männerschlafsaal sind wir 3 Gäste.

01_anhang1
Mein Leihrad in Pucon

21.03.2020: Ich gehe durch das gespenstisch leere Pucon! Alles hat geschlossen! Nur der Supermarkt hat auf. Kein Hotel, kein Touristenshop, kein Fahrradladen, nichts hat mehr geöffnet. Pucon gilt als ein wichtiges Tourismusgebiet für Chilenen.

Ich suche ein Fahrrad! Keine Chance! Somit fahre ich mit dem Kleinbus nach Villarica, ca. 25 km entfernt und 3 mal so groß wie Pucon. Nach ca. 45 Minuten werde ich fündig. Ich finde einen Fahrradverleiher! Der Sohn des Vermieters wird geholt und repariert mir ein recht gutes Mountainbike.

03_anhang3

Gegen 17 h starte ich meine 37 km Tour auf schönen Alternativrouten zurück nach Pucon.

Am Schluss der Tour hole ich mir einen Platten. Gegen 20:30 h komme ich in der Dämmerung am Hostel an.

Abends sitzen wir alle im Hostel nach dem Essen zusammen. Ich koche mir meine Spaghetti Bolognese. Später gegen 23 h ist Party im Hostel. Es gibt reichlich Marihuana. Der Besitzer des Hostels ist ein wahrer Kiffer!

DSC02603

Er ist mit einer deutlich jüngeren Holländerin zusammen. Ihr erzähle ich, wie ich nach Chile gekommen bin. Sie war richtig stinkig, dass ich in solch schwierigen Zeiten reise. Da haut man nicht mehr ab!

Im Schlafsaal, der direkt über dem Schlafzimmer des Besitzers sich befindet, höre ich gegen 2:30 h, wie die Holländerin stöhnt. Die beiden sind so verliebt, dass es jede Nacht zur Sache geht. Das ist Hostelleben! Sex, Drugs and Rock´n Roll!

DSC02601

Heute sind wir im Männerschlafsaal bereits zu viert. Ein Belgier aus dem zu schliessenden Hostel kam dazu, plus ein junger Franzose. Der Engländer war hingegen weg. Und da ist ja noch unser junger Brasilianer.

22.03.2020: Ich unternehme eine schöne Radtour in die Umgebung. Dabei treffe ich interessante Leute, die hier leben. Zu Bier und Wein werde ich an einem See eingeladen. Und einen Joint gibt es selbstverständlich auch!

Abends unternehmen wir einen Mini Ausflug an den See. Während wir am See sitzen, erzählen mir meine 3 Zimmergenossen, dass sie eine Wohnung für längere Zeit mieten wollen und in Pucon erstmal bleiben werden.

Ich will aber in den Norden, denn in Pucon kommt in einigen Wochen der richtige Herbst mit viel Regen.

Ab heute gilt eine landesweite Ausgangssperre zwischen 22 h und 5 h.

Mit Ausgangssperren habe ich noch keine Erfahrung. Das ist neu für mich. Ich denke an den 2. Weltkrieg! Mal sehen, wie das auf mich wirkt.

DSC02602

23.03.2020: Ich unternehme einen weiteren Ausflug in die wirklich schöne Umgebung.

Ab heute fahren keine Regionalbusse mehr in die nähere Umgebung.

Abends sitzen wir wieder zusammen. Der Besitzer des Hostels bietet uns an, dass wir Marihuana kaufen können. Er will es aber nicht wieder ausgeben.

24.03.2020: Die Holländerin sagt, dass ich nur noch maximal 2 Nächte im Hostel bleiben darf. Die Gemeinde will das Hostel schliessen. Meine 3 Zimmerkollegen ziehen in das Apartment um. Ich bin der einzige übriggebliebene Gast im Hostel.

Das Hostel wird am Nachmittag in eine Privatwohnung umgestaltet.

DSC02606
Der Vulkan Villarica ist knapp 3000 Meter hoch und aktiv

25.03.2020: Morgens gehe ich zum Busbahnhof und kaufe mir meine Bustickets nach Santiago und weiter nach La Serena. Es gibt Gerüchte, dass die Provinzen I bis V im Norden des Landes abgesperrt werden sollen und niemand mehr dort einreisen darf.

Nach dem Frühstück radel ich am mächtigen Vulkan vorbei nach Villarica und gebe das Rad zurück. Heute gibt es keine einzige Wolke am Himmel und mächtig erstrahlt dieser schöne schneebedeckte Berg.

DSC02599

Um 18:30 h fahre ich über Nacht mit dem Reisebus nach Santiago. Wegen 2 Buspannen kommen wir erst gegen 8 h in Santiago an. Um 8:30 h fahre ich weiter in einem Super Luxusbus nach La Serena. Vor der Abfahrt in Santiago wird bei allen Passagieren Fieber gemessen.

26.03.2020: Des Weiteren muss sich jeder für den Passierschein in den Norden online registrieren.

Drei Stunden nach der Abfahrt in Santiago passieren wir die Grenzkontrollstelle für den Norden.

01_anhang1
Deutsches Komforthostel: „El Punto“ in La Serena

Ich übernachte für 2 Tage in einem deutschen Hostel in La Serena. Leider ist dieses sehr gute Hostel auch teuer, weil die beiden Besitzer den Schlafsaal geschlossen haben. Ebenso gibt es keine richtige Gästeküche.

Ich sitze abends mit mehreren Chilenen aus Concepcion zusammen. Sie sind aus einem traurigen Anlass hier: Ein Todesfall in der Familie.

Katja und Jens, die Betreiber des Hostal El Punto kenne ich noch von meinem Urlaub vor 4 Jahren. Sie haben große Sorgenfalten im Gesicht, vor 4 Jahren waren sie munter und lustig. Nichts ist davon übrig geblieben! Sie würden das Hostel gerne verkaufen. Nun hat die chilenische Währung 20 % in wenigen Monaten an Wert eingebüßt. Um nach Deutschland zurück zu gehen, eine absolute Katastrophe! Und in Zeiten von Corona und hoher Arbeitslosigkeit plus zu erwartenden Touristenrückgang fällt zudem der Wert der Hotelanlage. In den Schuhen der beiden möchte ich nicht stecken.

27.03.2020: Ich gehe zum Busbahnhof und nehme einen Bus nach Piso Elqui. Auch dieses Weindorf, aus dem der weltberühmte Pisco kommt, kenne ich von meinem Trip im April 2016.

DSC02610
Desinfektion eines Autos an der Sanitäts Grenzkontrolle bei Paihuano

Wir passieren auf dem Weg nach Piso Elqui 2 Sanitäts Kontrollstellen. Bei der ersten wird nur Fieber gemessen. Bei der 2. muss man sich ausweisen und registrieren lassen. Ich werde von der Polizei aus dem Bus rausgeholt. Ich durfte nicht weiter nach Pisco Elqui reisen.

DSC02611
Hier muß sich jeder, der ins Sperrgebiet fährt, registrieren.

Mit dem nächsten Bus fuhr ich zurück, aber nur bis Vicuna. Dort begab ich mich zum Hostal „El Colibri“: Ich klingelte, denn das Hostel war geschlossen. Richard der Besitzer hat mir angeboten, dass ich dort wohnen darf, wenn ich einen Monat bleiben will.

DSC02630

Wir einigen uns! Dann vermittelt er mir noch einen Radverleih. Alles perfekt! Ich fahre wieder nach La Serena und kehre am Folgetag mit meinen Sachen zurück.

DSC02761
Torre Bauer in Vicuna

Abends im Hostel El Punto treffe ich wieder Katja und Jens. Beiden geht es nicht gut, sie sind gestresst. Katja will nichts mehr zum Thema Corona hören.

Meine Zeit in Vicuna im Hostal El Colibri in der Provinz Coquimbo

28.03.2020: Ich nehme meine Sachen mit und fahre mittags nach Vicuna. Ich checke ins Hostel ein. Anschliessend hole ich mein Fahrrad ab. Dann ab zum Supermarkt Essen einkaufen. Morgen ist Sonntag und der Laden hat zu.

Ein ganz komisches Gefühl für mich! Werde ich hier jetzt vereinsamen?

Abends alleine in dem Bungalow. Essen kochen. Eine Flasche Wein trinken. Danach Internet. Nur traurige Nachrichten. Ich denke: In Deutschland ist alles noch viel schlimmer als hier.

05_anhang5
Dorfpark in Diaguitas

29.03.2020: Ich starte eine Dokumentation über mich zu schreiben. Nachmittags mache ich eine Radtour in die schönen Weinberge.

… und so wird es auch in den folgenden Tagen so sein.

01_anhang1

Während der Radtouren treffe ich aber auch Leute zum Reden. So z.B. einen Chilenen aus Antofagasta, Architekt, lebt eigentlich in Italien mit Familie. Wir trafen uns ein paar mal per Zufall während unserer Touren. Wir unterhielten uns auf Spanisch, was gut für mich ist.

02_anhang2
Im Elqui Tal bei Peralillo

Mal werde ich zu einer sonntäglichen Karaoke Saufparty eingeladen, wo ich aber schnell wieder flüchte. Aber am Wegesrand gibt es auch junge Studenten, die einen Joint durchziehen. Letztere passen besser zu mir, auch was das Gespräch betrifft.

04_anhang4
Tempel Ausblick in Mamalluca

Eine Esotherikerin lädt mich sogar zum Essen ein. Ja ich hatte schöne Erlebnisse während meiner Radtouren!

DSC02628

Richard besorgte mir auch eine Spanischlehrerin. Sie verlangte aber, dass ich mindestens 15 Tage in Vicuna sein muss, bevor sie mir Unterricht gibt. Schutz vor Corona geht vor.

… und so vergingen die kommenden Tage. Jeder Tag war irgendwie ähnlich.

DSC02624

Ausser dass ich mit Freunden in Deutschland telefoniere. Viele finden mein Handeln und Abhauen sehr risikovoll. Aber einige sagen auch: Was willst Du in Berlin? Da hast Du dort auf dem Land mehr Freiheit.

DSC02620
Wüstentour

Vicuna ist klein, vielleicht 10.000 Einwohner plus einige Weindörfer in einer sensationell schönen Gegend. Jeder kennt jeden. Alle Hotels und Restaurants sind geschlossen. Ich falle mit meinem Pferdeschwanz sehr auf. Nach wenigen Tagen kennt man mein Gesicht.

DSC02622
Weinanbau soweit das Auge reicht!

Richard wird von Bekannten befragt, ob ich bei ihm wohne. Er bekommt es mit der Angst zu tun.

03_anhang3
Dobermann in Cerro Gualliguaica

Ein anderer Hotelbesitzer informiert ihn, dass Ausländer nicht nach Vicuna dürfen. Und alle Hotels müssen geschlossen bleiben.

DSC02621

05.04.2020: Ich mache eine Radtour nach Pisco Elqui (hin- und zurück 85 km). Ich nehme eine Nebenroute, die nicht kontrolliert wird. Keine Polizei- und Behördenfahrzeuge in Sicht. Ich mache ganz bewusst diese Tour an einem Sonntag, denn die Polizei in Chile ist auch eher faul und wünscht sich einen freien Tag. Somit bin ich mal wieder in Pisco Elqui. Auf dem Heimweg treffe ich den Radfahrer wieder, der in Italien lebt.

DSC02623
Scheiss drauf: Ich finde die unkontrollierte Nebenroute ins Sperrgebiet

Kurz vor meinem Hostel pflücke ich noch Weintrauben für mein Frühstück.

DSC02626
Lass die Behörden doch kontrollieren: ich komme dennoch durch!

Pisco Elqui gleicht einer Geisterstadt. Kein einziger Tourist. Nur ein paar Läden haben auf. Im Park sind eine handvoll Betrunkene.

DSC02627
In Pisco Elqui ist alles geschlossen. Der VW Bus war vor 4 Jahren auch schon hier!

Allmählich fange ich an hier zu vereinsamen. … und die Grenze nach Peru wird frühestens am 13.04.2020 geöffnet. Hoffe ich!

DSC02625

06.04.2020: Ich bin bis 11 h in meinem Bungalow. Um 09:30 h kommt die Polizei vorbei, um Richard zu befragen. Er verleugnet, dass er einen Ausländer beherbergt. Sie befragen ihn später ein 2. mal und ziehen gegen 10.30 h von dannen.

Somit muss ich hier weg! Noch hat die Poizei keine Beweise dafür, dass ich hier wohne.

Ich rufe wieder beim Hostal El Punto in La Serena an. Das Hostel teilt mir mit, dass dort nur noch Chilenen übernachten dürfen.

Ebenso rufe ich bei der Deutschen Botschaft an, wie die rechtliche Situation für Touristen aus dem Ausland in Chile aussieht. Ich habe gehört, dass die Deutsche Botschaft sich sehr um ihre Landsleute in Chile kümmert. An dem Rückholflug, der am 02.04.2020 angeboten wurde, wollte ich nicht teilnehmen. Die Kosten für diesen Flug hätte ich an das Auswärtige Amt später zurückzahlen müssen.

DSC02680

Ich finde über Booking.com das Hostel AJIverde in La Serena. Ich rufe dort an. Ja dort dürfen Ausländer wohnen. Ebenso ist es preislich viel günstiger als das EL Punto. Und es hat eine Gästeküche.

Ich bringe das Mietrad zurück. Dann packe ich, telefoniere noch und begebe mich gegen 15:30 h zu dem kleinen Busbahnhof der Gemeinde.

Mein weiterer Verbleib im AJIverde Hostel in La Serena in der Provinz Coquimbo

Mein Bus fährt um 16:20 h nach La Serena. Dort begebe ich mich ins AJIverde Hostel. Das liegt mitten in der Altstadt. Es ist ein schönes kleines Hostel. Ich checke dort in einen Schlafsaal mit 4 Betten ein. Diesen habe ich für die ersten 4 Nächte für mich alleine.

Und wer wohnt hier ausser mir:

DSC02653
Unser Sunnyboy bei seiner Lieblinsbeschäftigung: einen Joint drehen!

– Ein dreissigjähriger Sunnyboy aus Kalifornien, unser Dauer Kiffer, der praktisch immer drauf ist. Er ist ganz nett, sehr introvertiert, aber ein richtiges Gespräch mit ihm ist kaum möglich. Ausser einmal, wo wir alle auf Koks waren. Da erzählte er uns von seiner großen Liebe. … mit der er aber noch nie gesprochen hat!

DSC02647
Unsere Französin: extrovertiert, talentiert, versorgt uns gerne mit veganer Küche
DSC02710
… und sie springt als einzige von uns ins kalte Wasser

– eine junge Französin, die sehr kreativ ist. Sie malt schöne Gemälde für die Wände des Hostels. Sie kann sehr gut kochen und backen. Sie verkauft auch ihre Produkte auf dem Markt. Ebenso bastelt sie Schmuck. Sie arbeitet als Voluntärin in diesem Hostel. Sie ist sehr extrovertiert und ein gutes Gespräch mit ihr selbstverständlich möglich. Sie ist eine der ganz großen Persönlichkeiten in dem Hostel

DSC02668
unsere Holländerin, die stets liebevoll zu uns allen ist

– eine junge Holländerin, die ebenso als Voluntärin hier arbeitet. Sie ist etwas schüchtern und introvertiert. Sie reist bereits einige Monate alleine und will genau wie ich, die Zeit der Krise hier aussitzen, bevor sie weiterreisen kann. Mit ihr kann ich gute Gespräche haben. Sie kifft nicht, geniesst dafür mal ein gutes Glas Wein. Wir machen einige Ausflüge zusammen

DSC02679
unser WG Mitglied aus Trujillo in Peru

– ein etwas reiferer Peruaner, von dem ich nicht allzuviel sehe, ausser beim Abendessen. Er verkauft tagsüber Fernsehgeräte und bekommt einen extrem niedrigen Lohn dafür

DSC02716
ich komme aus dem hohen Norden von Chile, ich geniesse das Leben!

– ein Chilene aus Iquique. Er hat vor vielen Jahren während eines Feuers ein Bein verloren. Er arbeitet hier auch im Hostel. Er ist ein sehr guter Gefährte für gemeinsame Spieleabende

– ein Japaner, den ich kaum bemerke. Er bringt sich nicht gerne in die Gemeinschaft ein. Wir versuchen ihn in die Gemeinschaft aufzunehmen aber er lehnt stets ab

DSC02651
Adrian sorgt für viel Abwechslung im Hostel. Er tut alles dafür, dass wir die Krise meistern!

– Adrian, der Sohn der Eigentümerin des Hostels. Er ist sehr kommunikativ, organisiert gemeinsame Aktivitäten, wie Spieleabende und gemeinsames Essen (Barbecue, Pizza) oder einen Karaoke Abend mit Pisco Sour. Er ist wegen eines schweren Motorradunfalls vor ca. 8 Jahren ein wenig gehbehindert

– es gibt noch weitere Gäste:

DSC02682
Und jetzt ist unser Mathematiker auch noch Voluntär im Hostel

– ein Ingenieur aus Calama kommt ab dem 10.04.2020 auch hinzu. Er schläft in meinem Zimmer. Er sucht hier vergeblich einen neuen Job und wird am 20.04.2020 uns wohl wieder verlassen und seine Heimreise nach Calama antreten. Er nimmt gerne an Gruppenaktivitäten teil. Seit dem 20.04. arbeitet er als Voluntär im Hostel

DSC02787
Mit Lohengrin verstehe ich mich besonders gut!

Zu einem späteren Zeitpunkt kommt Lohengrin aus Santiago und Coquimbo für mich noch hinzu! Er bleibt aber nur 5 Nächte im Hostel. Er ist kein Traveller. Stattdessen hat er ein altes Motorrad!

DSC02633
Hier schlafe ich

– es gibt mehrfach pro Woche Stundenhotelgäste hier. Adrian und seine Mutter helfen die zusätzlichen Einnahmen sehr, denn wir sind einfach zu wenig Gäste hier. Die Stundenhotelgäste zahlen etwas mehr im Vergleich zu uns Backpackern

Ich beginne die anderen Gäste kennenzulernen!

DSC02648

Die Zeit ab dem 07.04.2020: Als erstes versuche ich jemanden zu finden, der mir Spanisch Unterricht geben kann. Dafür muss ich aber einige Hürden überstehen. Erst am 08.04.2020 ist Susanna, die Eigentümerin des Hostels auch mal hier. Sie vermittelt mir Enrique aus Venezuela. Ich lerne ihn noch am selben Tag kennen.

Die Abende verlaufen sehr kommunikativ im Hostel. Ich koche für mich stets selbst. Einen guten Wein trinke ich jeden Abend.

Nach dem Essen so gegen 22 h treffen wir uns im Salon. Dort spielen wir Karten oder Schach plus andere Spiele. Meistens bietet Adrian einen Joint für die Runde an. Aber auch der Sunnyboy aus Kalifornien, der aus einer Bierdose eine Kifferpfeife gebaut hat, ist spendabel. Wir hören oft elektronische Musik.

DSC02644
Barbecue im Hostel

Diese Möglichkeiten andere Gäste zu treffen, bringen mir viel mehr, als stets alleine in meinem Bungalow in Vicuna zu sitzen.

09.04.2020: Heute ist mein erster Tag des Spanisch Unterrichts mit Enrique. Er ist 22 Jahre jung und ist mit seiner Mutter und Schwester vor 2 Jahren aus Venezuela geflüchtet. Er lebt hier mit seiner Mutter in einer kleinen Wohnung in der Nähe vom Strand. Klar, dass er sich freut, mir Unterricht geben zu können, auch wenn ich ihm nur einen kleinen Stundenlohn geben werde. Aber ich denke, dass die Anzahl der Stunden für ihn entscheidend sind. Schliesslich buche ich 10 bis 12 Stunden pro Woche bei ihm.

DSC02717
.. und hier ist Enrique aus Venezuela!

Durch den Unterricht macht es Sinn für mich, hier zu bleiben, bis die Corona Krise hoffentlich in einigen Wochen überstanden ist. Zumindest so, dass ich nach Peru reisen kann.

DSC02720
Spanischunterricht für mich!

Die restliche Zeit verbringe ich mit kleinen Radtouren. Leider sind die Fahrräder des Hostels nicht gut. Ein Leihrad zu bekommen scheint unmöglich zu sein. Es gibt hier einen Vermieter, aber die Gemeinde erlaubt in dieser Krisenzeit keine touristischen Aktiviäten. Spaziergänge und Wanderungen gehören auch zu meinem Alltag.

DSC02632
Faro Monumental in La Serena

Über die Ostertage machte ich einen Ausflug mit dem Stadtbus in die nahegelegene Hafenstadt Coquimbo. Dort wohnen auch die Betreiber des Hostels. Der Ausflug dorthin lohnte sich für mich, schliesslich fand ich eine sehr preiswerte Kurzhose für mich im sogenannten Fashion Park. Den durfte ich nur mit Atemmaske betreten.

Ein weitere Ausflug brachte mich nach Ovalle, einer Andenstadt, die aber nichts Besonderes bietet.

DSC02721
Recova in La Serena an einem bewölkten Tag

13.04.2020: Wir machen zusammen mit insgesamt 5 Hostelbewohnern einen Ausflug nach Vicuna. Wir wollen wandern gehen und uns das Elqui Tal ansehen. Am Busbahnhof wurde für unseren Kiffer aus Kalifornien deutlich, dass wir eine Kontrollstelle der Polizei passieren werden. Weil er Rauchware dabei hatte, entschied er sich, nicht mitzufahren.

DSC02639
La Serena Strandpromenade

Wir, die restlichen Vier fuhren mit dem Bus über die Landstrasse bis Kilometer 29 mit. Dort war die Kontrollstelle. Gegenüber vor 2 oder 3 Wochen kam die Polizei diesmal in den Bus und wollte die Wohnbescheinigung für das Elqui Tal sehen. Das war neu, denn zuvor wurde nur bei jedem Fieber gemessen.

Somit endetet die Tour für alle hier. Es war schlichtweg nicht mehr möglich, ins Elqui Tal zu fahren. Nur gut , dass ich dort zurückliegend 10 Tage wohl eher illegal verbringen konnte.

DSC02657
Blick vom Hostel

Die Französin und mein Zimmergenosse fuhren per Anhalter zurück nach La Serena.

Die Holländerin und ich trampten nur ein kurzes Stück zurück, um aus dem Blickfeld der Polizei zu kommen. Dann machten wir eine schöne Wanderung von mehreren Stunden durch das untere Elqui Tal in der Nähe von La Serena. Das Wetter war traumhaft schön! Am Nachmittag trampten wir auf der Ladefläche eines PickUp Vans zurück nach La Serena. Weil ich meine Atemmaske verloren hatte, durfte ich nicht vorne mitfahren. Sicherheit vor möglicher Ansteckung geht vor!

DSC02658
Cruz del Tercer Milenio

Zu meiner Freude gab es wieder sehr viele Hunde auf den Grundstücken. Und schöne Zitronen pflückte ich. Für einen Pisco mit Eiswürfeln genau das Richtige.

Die Holländerin erzählte mir, wie sie die Zeit der Corona Krise überbrücken will. Ebenso über ihre Arbeit als Voluntärin in diversen Hostels in Südamerika. Wir plauderten ein wenig über das Leben und über das, was wir von unseren Reisen erwarten und warum wir reisen und nicht zuhause bleiben. Einfach mal ein persönlicheres Gespräch für mich mit jemanden aus dem Hostel.

DSC02685

Wichtig ist es in diesen schwierigen Zeiten, dass wir einander respektieren und nicht beginnen, jemanden aus unserer Gemeinschaft zu überfordern. Wir sind hier alle, weil es kaum möglich ist weiterzureisen. Es gibt weit und breit kein anderes Hostel, welches geöffnet hat. Wir alle sind Langzeittraveller und wollen unsere Reise nicht abbrechen. Oder wir kommen nicht nach Hause, weil kein Flug geht, bzw. ein Umstieg nach Japan in Los Angeles nicht möglich ist. Der Japaner ist hier gefangen! Von Südamerika gibt es keine Direktflüge nach Japan. Es geht nur über die USA (dort kommt keiner mehr rein) oder für nichterschwingliches Geld über Auckland / Sydney. Aber auch diese Flüge sind ab Santiago auf unbestimmte Zeit unterbrochen.

Das Hostelleben in diesen Zeiten ist nicht zu vergleichen mit normalen Situationen. Somit ist eine zwanglose Gemeinschaft super, aber es darf niemand daran gemessen werden, ob er Fleisch isst, wie trinkfest er ist und ob er Drogen nimmt.

Für mich stellt das Leben hier eine noch nie da gewesene Erfahrung dar. Hier muss und will ich durch! Ich will mich hier auf keinen Fall unbeliebt machen. Wir sind zwar alle individuell hier. Aber irgendwie müssen wir uns Kraft und Mut geben, weiterzumachen und uns nicht unterkriegen zu lassen. Wir müssen diese Krise meistern, damit wir in einigen Wochen hier gestärkt rausgehen und jeder seinen Weg entweder ins Flugzeug nach Hause oder einfach weiterreisen kann.

Das Barbecue am Ostersonntag hat mir sehr gefallen. Auch die Spaziergänge mit der Holländerin oder die Aktivitäten mit der Französin.

DSC02688

Heute am 13.04.2020 erzählt mir die Französin, dass sie aufgeben will und ab Mitte Mai nach Paris zurückfliegen wird. Also erst dann, wenn die Qurantäne Massnahmen bei uns in Europa enden sollen. Sie schaut sich jetzt auf Online Flugbörsen um, denn die Rückholaktion seitens von Air France ist bereits beendet.

DSC02687
_MG_7576
_MG_7581
Diese vier vierbeinigen Freunde begleiteten uns auf unseren Entdeckungen

14.04.2020: Der Japaner reist heute ab und begibt sich zu Freunden in Santiago. In einigen Stadtvierteln von Santiago wird die Qurantäne Pflicht wieder aufgehoben. In anderen aber auch eingeführt.

Ich will hier in La Serena bleiben. In den letzten Tagen hatten wir in der Provinz Coquimbo keine neu gemeldeten Erkrankungen. Die Anzahl von aktuell 66 Erkrankungen auf 800.000 Einwohner gilt nicht als hoch.

DSC02656
Eine unserer Terassen im Hostel

Air France teilt mit, dass ich meinen Heimflug ab Mexiko City, den ich für den 16. Juni geplant habe, jetzt kostenfrei umbuchen kann und ich bis zum 30.11.2020 mit diesem Ticket fliegen darf. Das entspannt meine Situation unglaublich.  Das nimmt mir den Druck weg und ich kann das Ganze gelassener angehen.

Alle meine bisher gebuchten 3 Flugtickets für jetzt noch anstehende Flüge sind jetzt flexibel.

DSC02722
in La Serena

15.04.2020: Ein neuer Gast aus Talca ist heute seinen 2. und letzten Abend hier. Es gibt wieder ein Barbecue mit reichlich viel Fleisch. Die Party startet bereits gegen 17 h. Wir fangen an zu trinken. Und die ersten Joints drehen ihre Runden.

Der Gast aus Talca bestellt mehrere Gramm Koks, die gegen 20:30 h geliefert werden.

Er ist sehr spendabel. Unsere beiden Frauen riechen den Braten und haben keinen Bock auf das, was folgen soll. Das Ganze mündet in ein wildes Schneegestöber. Und es wird immer mehr gesoffen und reichlich gekifft. Wir sind zu siebt! … und unser Sunnyboy aus Kalifornien spielt Gitarre und singt! … und verrät uns noch viel mehr.

DSC02703
Eine Moschee in Coquimbo

16.04.2020: Es kehren nach 2 Sauf- und Drogenabenden wieder ruhigere Zeiten im Hostel ein. Irgendwie finde ich es gut, dass der Gast aus Talca weg ist. Bisher gab es solche wilden Abende hier nicht. Feiern ja, aber nicht um jeden Preis! Die restlichen Hostelgäste haben kein Verlangen danach, Koks zu kaufen.

Der Koksabend hat mir nicht allzuviel gebracht. Ich war mal wieder richtig aufgewühlt. Und die Krise kann ich nicht wegreden, die ist und bleibt da.

An diesem sehr sonnigen Tag mache ich einen weiteren Ausflug mit der Holländerin, diesmal ins nahegelegene Coquimbo. Ein wirklich sehr schöner Ausflug.

DSC02712
Sonntagsmarkt in La Serena

Heute Abend singen wir zu Pisco Sour Karaoke. Ich singe von Dschinghis Khan „Moskau“ und des Weiteren „Am Tag als Conny Kramer starb“. Ersteres kam bei den anderen sehr gut an.

Dieser Abend war total entspannt für uns alle. Und alle freuten sich über meinen „MOSKAU“ Gesang.

17.04.2020: Mit Enrique mache ich meinen „A2“ DELE Spanisch Test: Von 100 Punkten hole ich insgesamt 80. Eigentlich nicht schlecht. Kommende Woche werden wir weiter machen.

Also irgendwie lohnt es sich für mich doch, dass ich hier bin!

DSC02670
Geschlossenes Museum in Coquimbo

Ich muss ja hier auch Kochen! Somit gehe ich regelmäßig auf den Markt und / oder den nahegelegenen Supermarkt. Weil ich über 60 Jahre alt bin, muss ich vor dem Supermarkt nicht Schlange stehen. Ich koche mir gerne Garnelen in Tomatensosse mit viel Knoblauch, dazu Spaghetti.

(Die Polizei lässt jetzt gerade eine Drohne fliegen, um zu beobachten, was wir machen)!

Dann koche ich Spaghetti Bolognese, oder Spaghetti mit EI, Gouda und Schinken. Mal auch einen Hamburger. Dann stets viel Salat, Tomaten mit Frischkäse und Walnüssen. Avocados mit Walnüssen esse ich auch sehr gerne. Leider sind Avocados hier für ein Kilo mit EUR 4,50 sehr teuer.

DSC02683

Ich kaufe mir stets gerne gute Weine aus Chile bzw. hier aus dem Elqui Tal. Einen Havanna Club trinke ich vor dem Schlafen gehen. Normalerweise gehe ich gegen Mitternacht ins Bett.

Das mit dem Kochen ist auch eine neue Erfahrung für mich. Ich versuche auch von den anderen hier zu lernen!

DSC02757
Dieser Einkauf auf dem Markt kostet ca. EUR 4

Ich bin jetzt seit 34 Tagen mit Stichtag 17.04.2020 unterwegs. Ich gebe ca. EUR 34 pro Tag aus. Darin inklusive ist auch mein Spanisch Unterricht.

Gerne möchte ich am 10.05.2020 nach Arica fliegen, um weiter nach Peru zu reisen. Ich habe einen Gutschein für diesen Flug. Aber ich kann auch später fliegen. Denn keiner weiss hier, wie es weiter geht. Wir leben von den Ankündigungen der Politiker. Und aktuell bedeuten diese:

– Es gibt eigentlich nicht viele Lockerungen
– Tourismus bleibt weiterhin verboten
– Die Stadt Grenzstadt Arica geht ab 16.04. in Quarantäne, die aktuell mehrfach bis 07.05.2020 verlängert wurde

Mal sehen wie es weiter geht. Ich plane von Woche zu Woche. Freitags ist mein Stichtag.

Kommende Woche nehme ich wieder Spanisch Unterricht mit Enrique. Am kommenden Freitag schreibe ich dann die „B1“ DELE Prüfung.

DSC02671

Weil La Serena die zweit älteste Stadt in Chile ist, gibt es hier einige Kolonialhäuser. Hunde hat es sehr viele auf der Strasse. Musikgruppen treten vor dem Supermarkt auf. Tagsüber ist einiges los. Ab 19 h sind die Strassen wie ausgestorben. Ab 22 h gilt die Ausgangssperre.

Die Stadt hat sehr schöne alte Kneipen und Restaurants. Aber die werde ich wohl eher nicht mehr geöffnet hier erleben dürfen. Falls ja, dann werden wir alle aus dem Hostel mal richtig feiern gehen.

DSC02664

In den 34 Tagen hier in Chile war ich nicht ein einziges mal im Restaurant essen. Und nur ein mal am ersten Abend in Valparaiso in einer Kneipe.

DSC02667

Am 18.04.2020 machen wir zu fünft einen Ausflug nach Coquimbo. Adrian der Hostelbetreiber zeigt uns seine Heimatstadt. Wir gehen zuerst in ein Felsenareal und in ein Fort. Natürlich illegal, denn das Fort ist wegen Corona geschlossen. Dort gibt es bereits den ersten Joint von Adrian. Begleitet werden wir stets von vier Strassenhunden.

Dann begeben wir uns auf den Fischmarkt, wo wir viele Seelöwen im Meer sehen. Tolles Ceviche für alle.

DSC02696
Fischmarkt in Coquimbo

Später fahren wir weiter zum Strand, wo wir nochmals einen „Durchziehen“ und ein Sixpack dabei haben. Adrian zeigt mir das Haus seiner Eltern, einer recht wohlhabenden Familie. Das Hostel gehört übrigens seiner Mutter.

DSC02690

Wir sind viele Stunden unterwegs, beobachten einige Fischer und ihren prächtigen Fang, dann auch einige Jogger, begleitet von ihren Rassehunden. Ebenso treffen wir Lohengrin, der Ende April auch ins Hostel ziehen wird.

Dieser Ausflug war mit der schönste Tag, seit dem ich in Chile bin. Wir haben uns alle sehr gut verstanden. Die Französin war wie immer sehr kommunikativ. Leider wird sie uns bald verlassen. Ich werde sie vermissen. Sie hat angeblich das Flugticket jetzt und wird noch im April nach Barcelona fliegen.

DSC02672

Weil der Pazifik jetzt schon recht frisch ist, ist nur die Französin ins Wasser gesprungen. Die Holländerin, der Ingenieur, Adrian und ich nicht.

Adrian brachte uns abends zur Bushaltestelle, wo wir dann zurück fuhren. Er selbst blieb in Coquimbo, weil er dieses Wochenende frei hat. Er betonte, dass er diese Ausflugsroute normalerweise als Tour anbietet. Wir hingegen mussten nur die Kosten für Transport und Essen teilen.

DSC02702

Wir lassen den Abend bei einem guten veganen Essen ausklingen. Weil Adrian nicht da ist, gibt es heute Abend nichts zu kiffen. Nur unser Sunnyboy hat Rauchware. Aber der beteiligt sich heute nicht an unserem Essen. Er geht eigentlich eher seinen eigenen Weg und ist selten bei gemeinsamen Aktivitäten dabei.

Die kommenden Tage werden zeigen, wie es weitergeht. Wir werden bald wieder einer weniger hier sein. Kommenden Freitag schreibe ich meinen „B1“ DELE Test. Ich habe ab Montag die gesamte Woche Spanisch Unterricht.

DSC02705
Hier wohnen die Eltern von Adrian in einem Bungalow

Ebenso werde ich ab Montag wieder alleine im Zimmer schlafen, denn unser Ingenieur aus Calama verlässt uns wieder. Es gibt hier keine Arbeit für ihn!

20.04.2020: Es gibt auch hier neue Warnungen wegen der Corona Krise. Man will sich darauf vorbereiten, für den Fall, dass es zu einer 2. Pandemiewelle kommt. Dazu könnten weitere und noch mehr einschränkende Massnahmen folgen. Eine Massnahme könnte sein, dass es keine signifikanten Lockerungen geben wird, bevor man mehr Wissen hierzu erlangt hat.

DSC02707
Strand bei Coquimbo

Die zweite und für mich gravierende Massnahme könnte sein, dass alle Staatsgrenzen in Südamerika für mindestens die kommenden 12 Monate für Touristenverkehre geschlossen bleiben. Die Hotelerie sowie alle für den Tourismusbreich relevanten Einrichtungen müssten darauf vorbereitet werden. Es ist die Rede davon, jetzt touristische Einrichtungen dauerhaft zu schliessen und den Flugverkehr, z.B. zwischen Lima und Cusco bis auf Weiteres einzustellen und Flugzeuge dauerhaft stillzulegen.

Aus den Massnahmen, die in der Regel stets für die kommenden 14 Tage gelten sollen, könnte eine dauerhafte Regel entstehen, die nicht mehr zweiwöchentlich überprüft wird. Somit können Kapazitäten in den Behörden frei werden, um sich wichtigen Aufgaben zu widmen.

Aus der Ruinenstadt Machu Picchu müßten dann alle Mitarbeiter dauerhaft abgezogen werden. Das Dorf Aguas Calientes könnte komplett geschlossen werden, dass heisst, auch die Bewohner des Dorfes muessen umgesiedelt werden. Das gesamte Heilige Tal kann  Sperrgebiet werden. Die Stromversorgung für Aguas Calientes kann ebenso unterbrochen werden. So ein möglicher Plan, der meine Planungen aber durchkreuzt!

DSC02694

Sollte dieser Fall eintreten, so muss ich zurück fliegen. Ich denke dass spätestens Mitte bis Ende Mai hierzu Klarheit besteht.

Weil uns immer mehr Leute im Hostel verlassen, hat Adrian dem Ingenieur aus Calama einen Voluntärsjob angeboten. Er wird dafür in einen anderen Schlafsaal umziehen müssen, weil Voluntäre leider stets nur die preiswerteste Option angeboten bekommen.

Der Schlafsaal, in dem ich wohne, ist der teuerste im Hostel. Eigentlich auch der schönste, weil er ein großes Fenster hat. Er liegt abseits der Gemeinschaftsbereiche des Hostels und ist somit recht ruhig.

In der Woche vom 20. bis 25.04.2020 hatten wir ein gemeinsames Abschiedsessen für unsere Französin aus Toulouse. Sie fuhr am 21.04. per Anhalter nach Santiago zurück, um wieder mit ihrem Freund zusammen zu sein. Eine Woche später schrieb sie mir, dass sie aus unserem Hostel weg wollte. Sie wohnt jetzt wechselweise bei ihrem Freund in Limache, in Santiago oder auch in Valparaiso bei Freunden.

Also nicht alles ist perfekt hier. Offensichtlich fühlen sich hier nicht alle gleich wohl. Es wäre schön, wenn wir bald neue Dauergäste bekommen würden.

_MG_7589
Abschiedsfeier für unsere Französin

Dann hatten wir einen sehr merkwürdigen Gast hier. Der war nur für 2 Nächte da. Am 23.04. während einer Barbecue Party war er total bekifft. Er war komisch drauf. Am 24.04. fragte er mich, ob ich ihm ca. EUR 20 in chilenischen Pesos leihe, weil er kein Geld mehr hatte. Ich informierte Adrian, weil ich sicherstellen wollte, dass niemanden von uns etwas geklaut wird.

DSC02753
Ausflug in die „Quadraba de Talca“

Daraufhin wollte Adrian, dass dieser Gast sofort bezahlt. Weil er kein Geld hatte, hat Adrian ihn des Hostels verwiesen. … und wir können weiterhin beruhigt hier schlafen!

Wir bilden hier eine Gemeinschaft, die gerne zusammen hält. Jeder muss sich auf jeden verlassen können. Das hier ist kein normales Hostelleben. Wir sind eher freundschaftlich miteinander verbunden.

DSC02764
Dieses stimmungsvolle altehrwürdige Hotel in Vicuna steht immer noch leer, es darf nicht öffnen!

Ich werde noch mindestens 14 Tage in Chile bleiben. Peru hat den Ausnahmezustand jetzt bis 10. Mai verlängert.

Inzwischen habe ich die „B1“ DELE Prüfung bestanden. Leider nur mit 54 von 100 Punkten. Dieses Ergebnis zeigt deutlich, dass ich noch viel zu tun habe.

Ebenso bekomme ich am 27.04. einen neuen Zimmergenossen: Lohengrin, der Chilene vom Strand aus Coquimbo zieht ins Hostel ein. Seine Freundin, die wir beim Ausflug ebenso trafen, hat ihn vor die Tür gesetzt. Er kommt mit einem recht alten Motorrad hierher.

Am 28.04. trampe ich nach Vicuna. Ja, es hat geklappt! Ich kam durch die Sanitätskontrolle problemlos durch.

DSC02767
Kunst im Elqui Tal

In Vicuna traf ich Mari aus dem El Colobri Hostel. Sie sagte, dass der Bürgermeister 2 Tage nach meiner Abreise Richtung LA Serena, das Hostel zusammen mit 2 Polizisten kontrollierte. Aber alles war ok, ich war ja weg.

Die Umgebung von Vicuna ist an diesem Dienstag traumhaft schön.

DSC02769

29.04.2020: Ich beschliesse am 07. Mai 2020 nach Iquique zu fliegen. Dort will ich in ein aktuell geöffnetes Backpacker Hostel ziehen. Adrian kennt den Betreiber und hat mich dort angekündigt.

Ich buche mein Ticket mit „Jetsmart“ um. Ich muss auch nichts drauf zahlen. Iquique ist 310 km von Arica entfernt. Iquique liegt im „Großen Norden“ von Chile und das Klima dort ist deutlich wärmer als in La Serena.

Peru´s Grenzen bleiben mindestens bis 10.05. geschlossen. Gleiches gilt für Argentinien. Beide Länder sind unter normalen Umständen recht leicht von Iquique zu erreichen.

So, ich werde mich weiterhin in Geduld fassen. Wenn meine Weiterreise nach Peru ab dem 24.05. klappen sollte, wäre ich auch zufrieden.

In den folgenden Tagen freunde ich mich mehr mit Lohengrin an. Er schläft auch in meinem Zimmer und bleibt insgesamt für 5 Tage im Hostel, bevor er sich auf seinem Motorrad in Richtung Santiago zu seiner Mutter aufmacht.

DSC02781
Lohengrin und Francis spielen Gitarre, Lohengrin singt dazu

Lohengrin ist sehr extrovertiert, hat aber auch mit Depressionen zu kämpfen. Was er da zuvor mit seiner Freundin durchgemacht hat, weiss ich nicht. Ich kenne ja nur seine Erzählungen, nicht die, der anderen Seite. Auf jeden Fall hat er Schwierigkeiten, das Gewesene zu verarbeiten. Er weint, als er mir sein Schicksal in einem persönlichen Gespräch erzählt.

Auf der anderen Seite singt er und spielt Gitarre. Er kann sehr gut singen! Wir verbringen mehrere schöne Abende in dem Hostel zusammen.

DSC02782 (1)

Dann zeigt er mir eine total zertrümmerte Gitarre, die seines Opas. Diese sei bereits 60 Jahre alt. Seine Freundin hätte sie zertört, so sagt er!

Mit Lohengrin machte ich auch einen Ausflug zum Cerro Grande, dem Hausberg von La Serena. Die Unterhaltung mit ihm während dieser Tour hat mir viel gebracht.

DSC02784

Am 02. Mai reiste Lohengrin ab. Er lud mich zu sich und zu seiner Mutter nach Santiago ein. Ich habe ihn eingeladen, mich in Berlin zu besuchen, falls er es jemals schafft, dorthin zu kommen. Bis auf einen Kurzbesuch nach Bolivien, hat der 30 jährige Chile noch nie verlassen. Mal sehen, ob ich mich nochmal aufmache nach Santiago um ihn zu besuchen!

Mit Enrique mache ich ab dem 01.05. meinen DELE „B2“ Test. Der ist sehr umfangreich und ich benötige hierfür 3 Unterrichtstage. Pro Tag habe ich ja nur maximal 3 Stunden, meistens aber eher 2 Stunden. Diesen Test bestehe ich mit 61 von 100 Punkten.

Dann wollte ich mit unserer Holländerin einen Ausflug nach Vicuna wagen. ich stellte aber fest, dass das unmöglich ist. Ja, es wird weiterhin kontrolliert und offiziell komme ich als Besucher dort nicht hin.

DSC02793
Sternwarte Collowara

Stattdessen machen wir einen Ausflug in die Bergbaustadt Andacollo und zur Sternwarte Collowara. Das Wetter im Hinterland in den Bergen war mal wieder traumhaft schön. Wir kamen problemlos dorthin mit dem Bus. Dieses Gebiet war nicht gesperrt.

Anders war das am 03. Mai: ich fuhr mit der Holländerin nach Coquimbo. Wir wollten weiter nach Tongoy, das am Pazifik liegt. Am Busbahnhof sagte man uns, dass dort keine Touristen hindürfen.

DSC02799
Basilika in Andacollo

Die Holländerin wollte keine illegalen Aktionen machen. Mir hingegen war alles scheiss egal. ich trampte ein Stück an der Autobahn, der PAN Americana Richtung Süden. Danach nahm ich nach längerem Warten einen Bus nach Tongoy.

Und siehe da, es gab keine Kontrolle! Ich hatte in Tongoy 3,5 Stunden Zeit, bevor der Bus um 19:30 h nach Coquimbo zurück fuhr.

DSC02806
Essen gehen in einem geschlossenen Restaurant in einer für Besucher gesperrten Stadt

Ich ging sogar in ein Restaurant essen. Das erste mal während dieser Südamerika Reise. Natürlich war das verboten. Der kolumbianische Wirt hat aber Gäste reingelassen. Die 2 Schnäpse kamen nicht auf die Rechnung! Sie wurden über Trinkgeld abgerechnet. Und selbstverständlich wurde jeder davon doppelt ausgeschenkt.

An diesem Sonntag wollte ich mich einfach besaufen. Als ich dann noch zum Sonnenuntergang durch den kleinen Badeort ging, gab es auch noch einen Joint. Die Jugend hat Langeweile! Kiffen ist eine Antwort darauf!

DSC02813
Fischer bei ihrer Arbeit in Tongoy

Diese Corona Krise und die vielen Einschränkungen gehen mir auf den Zeiger. Ein Ende ist nicht in Sicht. Alle Lockerungen, die in Aussicht gestellt werden, werden stets wieder verschoben. Ob demnächst die Grenzen zu Chiles Nachbarstaaten geöffnet werden, steht in den Sternen.

In den letzten Tagen, wo ich in La Serena bin, ist sehr viel los in der Stadt. Die Strassen sind voll und die Leute stehen an den Behörden und den Banken an. Es herrscht Trubel wie in normalen Zeiten.

DSC02805
und hier sind die Fischer in Coquimbo bei ihrer Arbeit

Dann rückt mein letzter Tag in La Serena an, der 06. Mai. Wieder ein trüber Tag mit viel Nebel. Die Sonne zeigt sich kaum noch. Abends haben wir eine kleine Feier mit Tacos im Hostel. Wir sind zu sechst und feiern hier meinen Abschied. Ich gebe 2 Flaschen Pisco aus. Adrian mixt Pisco Sour.

Diese Party war ganz nett, aber die Abende zusammen mit Lohengrin haben mir noch viel besser gefallen. Schliesslich sind wir immer die gleichen Leute hier!

Am letzten Sonntag, nachdem ich aus Tongoy zurück kam, nervte mich der Chilene aus Calama. Er war ziemlich besoffen und fragte immer wieder, ob ich mit Lohengrin ein Verhältnis habe. Ich hätte ja wohl gezeigt, dass ich in ihn verliebt war. Er wollte unbedingt wissen, ob wir Sex miteinander hatten. Mich nervte diese pauschale Denkweise.

Mit der Holländerin habe ich darüber gesprochen. Sie bestätigte, dass der Typ aus Calama sehr nerven kann, wenn er betrunken ist und Langeweile hat. Sie kann mit ihm auch nicht allzu viel anfangen. Einen Tagesausflug mit ihm zu zweit würde sie nicht machen.

DSC02802
immer was los, wenn Pelikane und Seelöwen gleichzeitig Futter bekommen

Für mich ist es jetzt Zeit nach 31 Tagen im AJIverde Hostel weiterzuziehen. Auch wenn mir klar ist, dass der Wüsten Badeort Iquique nur eingeschränkt Möglichkeiten bietet, etwas zu unternehmen. Aber ich brauche nach 6 Wochen in der Region von La Serena und dem Elqui Tal einen Tapetenwechsel!

Somit wird mein Abenteuer in Iquique starten.

Die Holländerin hat sich erstmal gegen ein Voluntariat im Iquique Backpacker entschieden. Grund dafür ist, dass das Hostel ein großes Sauf- und Partyhostel ist. Auch der Betreiber des Hostels soll laut Adrian sehr trinkfest sein und gegenüber Drogen sehr aufgeschlossen sein.

Auf nach Iquique ins Backpacker Hostel:

Ich begebe mich mt einem Colectivo Sammeltaxi am Vormittag des 07. Mai 2020 zum Flughafen von La Serena.

DSC02818
beim Ckeck In in La Serena

Mit mir werden weniger als 40 Fluggäste gegen Mittag in das Flugzeug steigen. Dieses kommt aus Santiago mit vielen weiteren Fluggästen.

Durch die Sanitätskontrolle komme ich vor dem Abflug ohne Probleme. Es können Fluggäste an der Reise gehindert werden.

DSC02819
neue Billigfluggesellschaft in Chile

90 Minuten später kommen wir in Iquique auf einem großen Militärflughafen an.

DSC02820
statt Nebel Wüstensonne!

Ein Ticket für ein Sammeltaxi kostet ins 40 km entfernte Iquique 5 Luka (5000 Pesos). Ich bevorzuge zu trampen! Das klappt auch perfekt. Auf dem Flughafen Parkplatz steht ein Uralt VW Bus , Baujahr 1988. Die Besitzerin spreche ich an; Ja sie nimmt mich nach Iquique mit und bringt mich direkt zum Hostel. Sie wohnt um die Ecke der Traveller Unterkunft. Sie ist am Flughafen, um ihren Sohn, der ebenso aus La Serena kommt, abzuholen. Er sass 4 Reihen vor mir im Flugzeug.

DSC02822

Ich fand die Fahrt im Bulli sehr lustig. Ein tolles altes Hippie Auto und ich bin genauso schnell, wie mit dem Taxi im Hostel.

Dort angekommen, treffe ich einige verrückte Leute. Da war z.B. Tim aus Australien! Mitte 40, total durchgeknallt! Er reist schon viele Jahre. Er sagt, dass er Sprachlehrer ist. Dann erzählt er mir, dass er mit 3 anderen Travellern, die auch im Hostel wohnen, einen einwöchigen Roadtrip im Mietauto von Iquique nach Santiago und zurück unternommen hat. Mit Stolz berichtet er davon, wie verrückt der Trip war: Saufen, Drogen, Sex und alles was dazu gehört.

Der Trip muss so extrem gewesen sein, dass sie jetzt alle vier, eine Woche lang nicht saufen werden. … und siehe da, sie haben sich daran gehalten! Nur in der letzten Nacht, die ich im Hostel verbracht habe, war richtig Party.

DSC02823
Strandblick vom Balkon des Hostels in Iquique

In diesem Hostel wird schon viel getrunken. … und sehr viel gekifft! Bereits mittags geht das los. Für mich aber nicht! Es gibt Gäste hier, mit denen kann ich mich abends nicht mehr richtig unterhalten. Das betrifft auch insbesondere einige der hier wohnenden Chilenen.

Es hat auch deutlich mehr Männer als Frauen hier. Und der Betreiber des Hostels scheint auch sehr trinkfest zu sein. Adrian warnte mich bereits.

Die Küche des Hostels wirkt oftmals dreckig und chaotisch. Es gibt Gäste, die einfach nicht abspülen. … und geklaut wird auch. So manche Gäste haben abschliesbare Boxen für ihr Essen. Wenn ich mal ein gutes Schneidbrett oder Küchenmesser sehe, so ist dieses privat! Einige Langzeitgäste kaufen sich so etwas. Sie wissen schon warum!

DSC02854 (1)
Grillwurst im Iquique Backpackers

Kaffee und Tee, Speiseöl, Gewürze: Das muss man sich alles selber besorgen! Das Hostel in La Serena hat mir viel besser gefallen!

Die Gäste hier sind sehr unterschiedlich. Die Altersspanne beträgt zwischen 22 und 74 Jahren.

Es befinden sich während der Woche, wo ich hier war, ca. 10 bis 12 Traveller im Hostel. Dann auch einige Chilenen. Plus eine gestrandete Studentengruppe von 9 Bolivianern. Diese können einfach nicht nach Hause reisen, weil die Grenze dicht ist. Zu den Bolivianern habe ich kaum Kontakt, die bleiben eher für sich. An Trinkgelagen haben sie kein Interesse.

Abends kommen noch Stundenhotelgäste dazu, die die besseren Zimmer mieten.

Das Leben in diesem Hostel war für mich sehr gewöhnungsbedürftig, obwohl in dieser Woche, relativ wenig gefeiert wurde. Aber so harte Backpacker, die alle sehr lange unterwegs sind, habe ich auf so einem engen Haufen noch nicht getroffen. Einige sind bereit, die Krise über Monate auszusitzen. Hauptsache es gibt genug zu Trinken und zu Kiffen. Plus den nahegelegenen Strand. Den zu betreten ist verboten. Daran hält sich aber kaum jemand.

Bis auf wenige Ausnahmen, sind alles Alleinreisende! Auch einige eher normale Reisende sind dabei. Z.B. ein 31 jähriger Esotheriker, der aber nicht allzu viel Privates erzählen mag. Er meint zu mir: dass ich zu viele Fragen stelle.

Wir sind hier auf engstem Raum zusammen. Klar, dass es zu Schwierigkeiten unter den Gästen kommen kann. 4 Wochen würde ich es hier nicht aushalten. Planen und Organisieren lehnen viele der Langzeittraveller ab.

Iquique ist zwar ein Badeort, aber wirklich hässlich. Im Vergleich zu La Serena hat es viel Armut hier. Die Häuser und die Innenstadt sind sowas von krass hier. Das ist nichts für mich. Die Reichen wohnen in Hochhäusern mit Panoramablick auf den Pazifik.

DSC02832

Dann mache ich einen Stadtbusausflug nach Alto Hospicio, welches Luftlinie nur 1 km entfernt von Iquique liegt, dafür 900 Meter höher. Die Fahrt auf der Bergstrasse dorthin ist atemberaubend! Aber was sich hinter dem Berg versteckt ist so etwas von ekelig, da will niemand freiwillig hin. Hier oben leben am Rand der Wüste knapp 90.000 Menschen. Mit das Hässlichste, was ich in Chile gesehen habe. Iquique hat zumindest das Meer und somit einige Attraktionen.

DSC02829
Humberstone nur für mich alleine!

Ich mache zwei Ausflüge: selbstverständlich illegal! Der erste Ausflug führt mich nach Humberstone. Dort war ich vor 4 Jahren auch schon. Ich krieche unter dem Zaun durch. 2 Stunden halte ich mich in dieser sogenannten Ghosttown auf. Ich treffe hier niemanden an. Es gibt viele Löcher im Zaun. Somit komme ich problemlos wieder raus.

DSC02852
solche Löcher hat´s viele im Zaun! da passe ich gut durch!

Diese Geisterstadt ist absolut genial. Angeblich gibt es Vidioüberwachung. Aber ob die auch funktioniert? ich glaube wohl eher nicht!

DSC02836

Der zweite Ausflug führte mich nach Pica. Es gibt auf dem Weg von Iquique nach Pica 2 Sanitäts Kontrollstellen. Nur Einwohner dürfen durch!

DSC02837
Weltkulturerbe Humberstone

Die erste Kontrollstelle umgehe ich, indem ich durch die Wüste laufe. Ich lasse mich rechtzeitig, ca. 1 km vor der Kontrollstelle aus dem Bus absetzen. Dann gehe ich zu Fuss für ca. 3 km und fahre mit dem nachfolgenden Bus weiter.

DSC02850
seit vielen Wochen gibt es nur mich als Gast hier!

Was ich aber nicht wusste: Es gibt 5 km vor Pica eine weitere Kontrollstelle! Dort werde ich aus dem Bus geholt!

Ich gehe ein Stück zurück an der Strasse. Dank Google Maps finde ich eine Alternativ Route durch die Wüste und Bauernland. Das nutze ich aus: 90 Minuten später bin ich auf dem Dorfplatz von Pica. Aber so schön und toll, wie mir dieses Ausflugsziel beschrieben wurde, ist es nicht. Gegen 18 h fahre ich mit dem Bus zurück nach Iquique. Wir müssen dreimal aus dem Bus raus, es wird aber nur Fieber gemessen. Keine blöden Fragen!

DSC02855
Die Kirche in Pica

Alles was schön ist, habe ich in und um La Serena in 6 Wochen besucht. … und hier mache ich das genauso! Egal ob ich da hin darf oder nicht. Dieses Corona Gedöns geht mir mächtig auf den Zeiger.

Bisher war alles in Chile wesentlich lockerer als daheim. Aber jetzt gibt es viele Lockerungen in Deutschland. Weil aber in Chile allmählich alles aus dem Ruder läuft, fangen sie hier jetzt an, alles dicht zu machen. Das betrifft vor allen Dingen die Haupstadt, wo 50 % der Bevölkerung lebt.

Ansonsten ist die Krise nicht so schlimm in Chile. Der Süden hat es jetzt gut im Griff. Im Norden ist Antofagasta und jetzt neu ab 16.05. „Iquique“ unter Quarantäne. Der Rest des Nordens ist aktuell ok. „Arica“ verlässt die Quarantäne ab 16.05.

Hürden Tramptour Richtung Arica: Im LKW mit „kiffenden“ Fahrer

Daher habe ich Iquique am 13.05. verlassen und bin mit Kleinbussen nach Huara gefahren. Dort hat es sehr preiswerte Unterkünfte für Kraftfahrer.

DSC02858
statt Dreilinden in den 80 ziger Jahren jetzt Trampen in Südamerika

Am 14.05. fuhr ich ausgeschlafen per Anhalter Richtung Arica. Ein LKW Fahrer nahm mich nach ca. 45 Minuten warten mit. Er fragte mich, ob ich etwas dagegen habe, wenn er jetzt einen Joint raucht. Natürlich hatte ich nichts dagegen. Ich finde zwar Kiffen und gleichzeitig so einen grossen Brummi zu steuern nicht gut. Aber ich wollte ja mitgenommen werden.

Gut, die PanAmericana hat hier im „Grossen Norden“ von Chile kaum Verkehr. Aber der LKW ist mit vielen Tonnen Obst aus dem Zentralen Tal im „Kleinen Süden“ beladen. Der Fahrer sagte mir, dass er bereits 2200 km gefahren ist und nur 4 Stunden Schlaf hatte. Ich fragte ihn, wie das möglich sei, er wird doch bestimmt kontrolliert und er verfügt doch über einen Chip als Fahrtenschreiber. Seine Fahrerkabine wird nicht durch den Arbeitgeber videoüberwacht. Bei anderen LKW´s ist das aber der Fall! Ich sagte ihm, dass man in Deutschland für mehere Jahre seinen Führerschein verlieren kann, wenn man als Berufskraftfahrer kifft. … und dass unsere Polizei sehr gut aufgestellt ist. Erst recht, wenn man 30 Tonnen Fracht auf dem Hänger hat.

DSC02859
gestrandeter Reiseradler in Cuya

In Chile scheint sehr viel illegal zu laufen. Das betrifft Vieles, was ich in 2 Monaten hier erlebt habe. Die Korruption blüht! Der Fahrer erzählt mir, wie sich die Politiker bereichern und dass das gesamte Land überwiegend 7 Familien gehört.

Er gehört zu denen, die es geschafft haben. Als Brummi Kapitän verdienst Du über dem Durchschnitt. Seine beiden Söhne sind bei der Polizei. Einer macht sogar ein angesehenes Studium auf der Polizeiakademie in Santiago.

DSC02863

Ansonsten soll es sehr vielen Menschen in Chile dreckig gehen. Es ist leider normal, dass manche Familien sich nur 2 x am Tag Essen in minderwertiger Qualität leisten können.

Ich hoffte nur: Hoffentlich raucht der nicht noch einen zweiten Joint! Auch wenn ich an dem ersten gezogen habe!

Der Brummi Fahrer steuert das riesige Gefährt durch atemberaubende Canyons! Es geht 17 km bergab in ein Flusstal, ca. 1000 Meter tiefer gelegen. Bekifft kommt die tolle landschaft gut. Aber lass mal was passieren! Da musst Du 100 % wach sein! Bisher hatte der Fahrer trotz des wenigen Schlafs und des Kiffens seinen recht modernen LKW gut im Griff

Nach 2 Stunden kommen wir an der Sanitäts-Kontrollstelle in „Cuya“ an. Dort endet die Reise für mich! Ich darf als Nicht-Einwohner von „Arica“ nicht mehr weiter fahren. Ggf. klappt das am 16.05., wenn die Quarantäne aufgehoben wird.

DSC02862
statt Drogen- jetzt Sanitätskontrolle

Allmählich habe ich die Schnauze voll! Mit dem Reisebus darf ich auch nicht fahren, denn die Busgesellschaften lassen nur noch Arbeiter bzw. Einwohner des Zielorts zu. Bustickets können ohne Vorlage von Behördendokumenten nicht mehr gekauft werden. Das gilt zumindest für Arica.

In Cuya gibt es Unterkünfte, die aber nicht vermietet werden dürfen. Ich treffe insgesamt 5 Peruaner und einen älteren Reiseradler aus Kolumbien an. Letzterer zeltet hier nachts. Tagsüber wäscht er Windschutzscheiben der Autos.

Mir bleibt nichts anderes übrig, als die 140 km nach Huara zurück zu trampen. Ein Techniker nimmt mich in einem schnellen Firmenwagen mit. Diesmal bleibt der Joint, da wo er hingehört! … und nicht im Auto! Aber schnell fährt er schon! Statt der erlaubten 100 km/h dann 140 km/h. Es gibt hier keine Radarkontrollen. … und während der Krise erst recht keine!

In Huarra angekommen, verhandele ich mit einer Mitarbeiterin der Sanitäts-Kontrollstelle. Sie hielft mir weiter. Ich kann problemlos weiter nach Süden fahren, sogar bis Santiago, falls ich dort hin will.

Sie betont, dass sie von Freitag auf Samstag Nachtschicht bis 9 h morgens hat. Ich soll wieder zu ihr kommen, falls ich nach Arica will.  Wenn die Quarantäne aufgehoben ist und ich glaubhaft belegen kann, dass ich nach Peru gehe, dann sollte es klappen, dass ich bis zum 25.05. mich in Arica aufhalte.

Aber gegen 19:30 h sind praktisch fast alle Zimmer in den 3 Hotels belegt. Ich bekomme im dritten Hotel, welches das teuerste ist, doch noch ein Zimmer.

DSC02825
ab dem 16.05.2020 ist in Iquique Schluss mit lustig: Quarantäne und Ausgangssperre für 4 Wochen!

Heute ist mein Pech- und Katastrophentag. Hoffentlich wird das bald anders! Ein anderes Land muss her! Eines wo es jetzt aufwärts geht. Also eins, das seine Bevölkerung 2 Monate weggesperrt hat und somit aktuell besser da steht als Chile.

Aber eigentlich ist nur die Haupstadt das grosse Problem! Chile ist ansonsten sehr dünn besiedelt.

Am 15.05. ziehe ich dann in das nur halb so teure Hotel, wo ich bereits eine Nacht war, um. Das billige Hotel kostet EUR 9 pro Nacht, bzw. 8 Luka.

Den Tag verbringe ich mit meinem Laptop. Einen sehr schönen grossen schwarzen Strassenhund wollte ich einfangen. Er wollte aber nicht Gassi gehen.

Heute morgen war ich wieder bei der Sanitätskontrolle bei der selben Mitarbeiterin. Ich habe den Stempel und ein Dokument bekommen, dass ich nach Arica fahren kann. Die Quarantäne wurde jetzt für Arica aufgehoben. Mal sehen, ob ich auch in Cuya durchkommen werde! Nach dem Frühstück trampe ich wieder los.

Ich werde wieder von einem großen LKW mitgenommen. Diesmal ein ganz normaler Fahrer, der mir erzählt, dass er sich nach 40 Jahren Ehe von seiner Frau getrennt hat und alles verloren hat. Er kommt aus Coquimbo.

2 Stunden später kommen wir an der Sanitätskontrollstelle in Cuya an. Es bleibt dabei: Die nördlichste der chilenischen Provinzen bleibt für Nicht-Einwohner von Arica gesperrt. Ich habe keine Chance weiterzureisen.

Ich finde sehr rasch einen LKW, der mich nach Huara mitnimmt.

Im Laufe des Nachmittags kommen wir in Huara an. Ich verhandel mit der dortigen Sanitäts-Kontrollstelle, ob ich nach La Serena reisen darf. Eine Mitarbeiterin telefoniert mit Adrian aus dem AJIverde Hostel. Adrian soll mir eine Bestätigung schicken, dass ich in seinem Hostel die restliche Zeit der Corona Krise aussitze. Ebenso informiert diese Mitarbeiterin die Nationalpolizie PDI, die auch für Immigration und Ausländer zuständig ist. Nach ca. 30 Minuten treffen 2 Beamte der PDI in Huara ein. Sie sind eher in Zivil gekleidet und sehen wesentlich gebildeter aus, im Vergleich zur Carabinero. Aber: Sie interessieren sich für mich überhaupt nicht! Stattdessen kontrollieren sie Passagiere eines Reisebuses.

Ich fahre dann weiter per Anhalter ins 30 km entfernte Pozo Almonte, einer kleinen Provinzstadt mit vielen Geschäften und Unterkünften. An der großen COPEC Tankstelle steige ich aus und will zum Geldautomaten. Der ist aber leer! Schon wieder Pech! Dann trampe ich für die letzten 3 km in die Stadt mit einem anderen Auto. Das Ehepaar des Autos zeigt mir die beiden preiswertesten Unterkünfte des Ortes und fährt mich zur anderen Tankstelle. Der dortige Geldautomat hat Geld! Dann fahren sie mich zurück zu den Billigstherbergen.

Ich übernachte in Pozo Almonte für eine Nacht. Über ein Portal finde ich einen Bus, der am nächsten Tag die ca. 1000 km nach Copiapó in der Provinz Atacama fährt. Ich buche aber bewusst erst am 17. Mai die Busfahrt.

In dieser Wüstenstadt gibt es ein grosses Hotel, dass für Arbeiter preiswertes Essen anbietet. Dort gehe ich insgesamt 3x Essen. Das Essen war wirklich gut und kostete für 3 Gänge gerade mal EUR 5 inklusive Saft. Eine Flasche Wein durfte ich auch zum Abendessen mitbringen und dort verzehren. Dafür gab ich dann ein anständiges Trinkgeld.

Irgendwie klappt jetzt überhaupt nichts mehr! Die Corona Zahlen steigen in Chile rasant an. Nicht mehr Europa, sondern Lateinamerika wird zum Corona Hype! In Brasilien explodieren die Infektionen. Das hätte ich mir vor 2 Monaten nicht erträumen lassen. Hätte ich das vorher gewusst, wäre ich daheim geblieben!

Am 17.05.2020 kaufe ich mir das Busticket von Pozo Almonte nach Copiapó. Busfahren ist in Chile extrem preiswert und die Busse sind sehr komfortabel.

Als der Bus abfährt, erfahre ich, dass wir über Iquique fahren. Dort ist doch Quarantäne und Ausgangssperre! Hoffentlich holt die Polizei mich nicht aus dem Bus!

Nach 20 km kommt die Carabinero an der Mautstelle in den Bus und kontrolliert die ca. 10 Fahrgäste.

Zwischen Alto Hospicio und Iquique wird die Autobahn durch die Carabinero blockiert. Jedes Fahrzeug wird kontrolliert. Der Bus dreht mehrere Runden durch die menschenleere Stadt. Praktisch darf keiner mehr auf die Strasse.

Am Busbahnhof steigen ca. 10 Fahrgäste zu. Temperatur wird gemessen, dann geht es weiter. Wir passieren zum Sonnenuntergang das „Iquique Backpacker Hostel“. Niemand ist auf dem Balkon zu sehen. Ob die anderen Gäste auch alle weg sind? Sonst hatten sie stets zum Sonnenuntergang auf dem Balkon ein Saufgelage.

Am Ende der Stadt wird der Bus nochmal von der Carabinero angehalten. Nur der Busfahrer wird kontrolliert. Dann geht´s auf die Autobahn Richtung Flughafen. Diese endet dort in eine kleine Landstrasse mit atemberaubenden Felslandschaften am Pazifik. Durchatmen! Geschafft!

Drei Stunden später passieren wir die Sanitätskontrolle der Provinz Antofagasta. Fragen: Keine! Mein Slip der letzten Kontrollstelle in Huara wird anstandslos akzeptiert.

Die meisten Arbeiter im Bus steigen noch vor der Stadt Antofagasta aus dem Bus aus. Diese Stadt der gleichnamigen Provinz steht ebenso wie Iquique unter Quarantäne. Ich schlafe während wir diese Stadt passieren. Mitten in der Nacht erreichen wir die Provinz Atacama. Hier kontrollieren die Sanitäter nur die Temperatur, mehr nicht. Mittlerweile bin ich im riesigen Oberdeck des Buses der einzige Fahrgast. Insgesamt sind nur noch 4 Fahrgäste und 2 Fahrer an Bord.

Diese Fahrt nach Copiapó hat für mich ohne Probleme geklappt! Das erste mal, dass irgendetwas funktionierte. Die Mitarbeiter der einzelnen Sanitätskontrollstellen scheinen offensichtlich nicht richtig zu kooperieren. Den Slip, den ich bekommen habe, könnte man leicht fälschen, ebenso den Stempel. Die Mitarbeiter an den Sanitätskontrollen haben keine Laptops! Die Formulare werden von Hand ausgefüllt. Bei uns in Europa würde das anders laufen! Für mich vielleicht gut, dass Südamerika anders tickt.

In Copiapó angekommen, suche ich erstmal ein Hostel. In einem zum Busbahnhof nahegelegenen Hotel frage ich nach, ob ich das WiFi nutzen darf. Somit finde ich ohne viel Aufwand ein nahegelegenes Hostel, welches aber schlecht bewertet wird. Ich begebe mich mit dem riesigen Gepäck ins „El Valle“ Hostel. Das kostet 8 Luka pro Nacht. Hier wird Frühstück für 2 Luka, Mittag- und Abendessen für je 3 Luka angeboten. Ich bekomme einen 4 rer Schlafsaal mit eigenem Bad und Uralt Glotze für mich alleine. Das Hostel ist sauber und täglich wird geputzt. Es gibt zwei Mitarbeiterinnen, die hier fest arbeiten. Ca. 25 mehrheitlich männliche Gäste wohnen in der recht großen Anlage. Alles Arbeiter! Auch Kolumbianer, die in Chile arbeiten.

Das „El Valle“ Hostel ist kein Partyhostel. Drogen habe ich hier nicht gesehen. Wilde Saufgelage auch nicht. Ab 22 h ist es meist sehr ruhig hier, denn viele der Gäste müssen bereits sehr früh zur Arbeit gehen. Backpacker sind selten hier. Copiapó ist keine Touristenstadt. Der Betreiber des Hostels erwähnte, dass er Ende März zwei Italiener hier hatte, die danach aber an einer Rückholaktion ihres Landes teigenommen haben.

Ich bleibe erstmal 5 Nächte hier. In dieser Zeit unternehme ich 2 Ausflüge. Der erste führt mich nach Caldera am Pazifik. Diese Stadt ist für Besucher nicht gesperrt. Ich kann also in dieser Kleinstadt herumlaufen. Auch der Fischereihafen lädt auf einen Besuch ein. Dort gibt es leckeren und frischen Fisch sowie Austern.

Dann besuche ich mehrere Hostels. Übernachten ist in Caldera für Touristen nicht möglich. Aber ich habe den Eindruck, dass mit allen Einschränkungen ein Verbleib in Copiapó definitiv abwechslungsreicher ist. Es gibt ja noch nicht mal einen vernünftigen Supermarkt in Caldera.

Am Himmelfahrtstag mache ich einen Ausflug ins „El Valle“ und ins Dorf Los Loros. Dort gibt es Unterkünfte, die ich mir ansehe. Zum Übernachten lädt das Mini Dorf aber leider nicht ein.

Zwei Stunden später fahre ich mit dem Bus zur Endstation „Rodeo“.das befindet sich 94 km entfernt von Copiapó. Dort hat es eine kleine Imbissbude für LKW Fahrer, denn weitere 25 km ins Andengebirge hinein, befindet sich eine Mine.

Auf der Anlage leben auch 10 Hunde, sogenannte Kiltros. Der Besitzer zeigt mir den reissenden Bach. Und sofort sind auch alle 10 Vierbeiner dabei. Ich beschliesse mit ihnen eine Wanderung zu unternehmen. 8 Kiltros kommen gerne mit. Treue Mischlinge, die mir auf Schritt und Tritt folgen. Sie gehen gerne im Bach baden. Was für eine Gaudi! Das macht so richtig viel Freude für mich! Es müssen nicht immer grosse Rassehunde oder ein Mastiff sein! Ein Kiltro hat auch etwas für sich. Jedoch streicheln bzw. anfassen wollte ich die eher verschmutzten Hunde nicht.

Apropo Mastiffs: Hier in Copiapò gibt es im Quartier, wo ich wohne, zwei riesige Fila Brasiliero. Hinter einem Eisengitter bewachen sie ein Einfamilenhaus. Sie sind eher ungepflegt und stinken. Hundekot überall auf dem Grundstück. Kein Auslauf, nur Bewachung! Da haben es die Kiltros von Rodeo viel besser.

Ich beabsichtige ab dem 23.05.2020 einen mehrtägigen Ausflug nach Diego de Almagro zu unternehmen. Mit dem Bus fahre ich durch Wüstenlandschaften, die mit Photovoltaikanlagen zugepflastert sind. Riesige Elektrizitätswerke mitten im Niemandsland.

Angekommen in der Wüstenkleinstadt finde ich schnell die Herberge „Vicky“. Die ist richtig gut! Ich handel den Besitzer auf 10 Luka runter. Ab der dritten Nacht handel ich dann auf 8 Luka weiter runter. Es gibt kaum Gäste! Und für 4 Übernachtungen verdient der Betreiber immerhin ein wenig. Das Zimmer ist ordentlich, hat ein gutes Bad und sehr viele Fernsehprogramme. Auch deutsches Fernsehen „DW“ hat´s auf einem guten Flatscreen!

Am Sonntag mache ich einen Tramper Ausflug nach El Salvador, ca. 60 km entfernt. Zuerst in ein Geisterdorf mit viel Eisenbahngeschichte. Seit der grossen Flut vor 5 Jahren gibt es die Eisenbahn nicht mehr. Die alten Loks und die Anlagen stehen aber noch.

Mit einem 2. Auto gings dann rauf auf den Berg in das bergbaudorf El Salvador. Berühmt ist der hiesige Fussballclub „Cobresal“! Der spielt in der 1. chilenischen Liga und gewann im Jahr 2015 die chilenische Meisterschaft. Dank eines kleinen Flughafens kann die Mannschaft zu den Auswärtsspielen reisen. Das Stadion fasst 12.000 Zuschauer, der Ort hat gerade einmal 7.000 Einwohner. Das Stadion habe ich mir sehr genau angesehen. Jeder ist hier sehr stolz auf diesen Klub!

Abends trampte ich dann wieder zurück zum Hostal Vicky. Zum Glück kaufte ich im Supermarkt „Unimarc“ in El Salvador ein, der Supermarkt in Diego de Almagro hat sonntags zu.

Am Montag trampte ich zu einer der grössten Kupferminen weltweit in Potrerillos. Ein Gastarbeiter aus Kolumbien nahm mich mit. Ich sollte ihn noch öfters treffen. Die Mine ist 70 km entfernt und liegt mitten in der Andenwüste auf ca. 2500 Meter Höhe. Dort ist mächtig viel LKW Verkehr. Und viel Umweltverschmutzung. Diese Mine war nach dem Unwetter vor 5 Jahren abgeschnitten. Züge kommen hier nie wieder her,

In Corona Zeiten wird für mich eine Kupfermine zur Attraktion! Wenigstens war die Landschaft schön. Die beiden Reiseradler, die dem LKW am Vortag entgegen radelten, sah ich aber nicht wieder. Wo die wohl hinwollten? Argentinen? Die Grenze ist geschlossen! Nachts wird es hier sehr kalt! Und Du musst hier Zelten!

Am Dienstag machte ich wieder einen Anhalter Ausflug! Diesmal nach Chanaral. Das liegt am Pazifik. Dort hat es zumindest eine schöne Felsenküste. Abends trampe ich wieder zurück: selbstverständlich mit dem Fahrer aus Kolumbien! „Si senór“! So sagte er immer wieder.

Am Mittwoch, den 27. Mai trampe ich zurück nach Copiapó mit einem sehr schnellen Pick Up! Der Fahrer ist ein Ingeneur aus Villarica bei Pucon. Dort hatte ich Ende März ein Fahrrad gemietet. Er fährt die 150 km in nur 75 Minuten auf der kleinen Landstrasse. Er betreut Photovoltaik Kraftwerke und scheint einen gutbezahlten Job bei einem spanischen Konzern zu haben. Er kennt die Welt und arbeitete mehrere Jahre in den UAE. Beim Abschied schenkt er mir ein ganzes Paket Atemschutzmasken, sowie Desinfektionsgehl und viel frisches Obst. Alles Dinge, die ich gut gebrauchen kann.

Ich bin in den vergangenen 4 Tagen insgesamt 550 km per Anhalter gefahren. Meine Spanischkenntnisse helfen mir weiter, mich hier gut zu verständigen und fortzubewegen. Insgesamt bin ich auf diesem Trip mittlerweile deutlich mehr als 1.000 km getrampt. Offiziell ist das, was ich mache in Chile verboten! Aber wen interessiert das schon!

Ab dem 27. Mai bin ich wieder im „El Valle“ Hostel in Copiapó. Ich will noch mal zurück zu den 10 Hunden nach Rodeo. Am Donnerstag nehme ich den Bus dorrthin. Die Besitzer dieser Kiltros machen mittags gutes Geschäft mit den LKW Fahrern der nahegelegenen Mine. Ich esse dort auch zu Mittag. Es gibt eine kräftige Gemüsesuppe mit einem grossen Stück Rindfleisch in besserer Qualität. Dazu einen Salat und eine Tasse Kaffee für unter 4 Luka.

Drei der 10 Hunde können es kaum abwarten! Dann geht´s los! Ich schnappe mir alle 10 Kiltros. Die sind total glücklich auf die Tour. Rasch durch den Bach! Viel Wasser schlabbern! Dann los in den aufgelassenen Weinberg! Auf einmal: Die Hunde bellen und laufen fort! Pferde befinden sich im Weinberg. Jetzt aber dalli! Hinterher! Los schnappt sie! Jagt die Pferde! Die Gaudi kann starten! Die Route ändere ich. Lass uns die Pferde jagen! 10 Kiltros sind sich einig! Alle hinterher!

Nach 20 Minuten entscheide ich: Auf zum Bach! Die Hunde brauchen jetzt unbedingt Wasser! Danach jagen wir die Pferde weiter. So mein Plan. 5 der Hunde kommen mit. Den Rest des Rudels sehe ich nicht mehr. Die Pferde auch nicht. Im Weinberg können die sich gut verstecken.

Am Bach tauchen dann 4 weitere Vierbeiner auf. Also habe ich noch 9 dabei. Nachdem die Strolche gut versorgt sind, suche ich die Pferde! Vergebens! Die Hunde jagen fleissig den Berg rauf. Nach weiteren 30 Minuten gehts wieder zum Bach. Planschen, Spielen, Trinken! Dann nochmal zu der Stelle, wo mir die Hunde davon rannten. Aber: Keine Pferde weit und breit. Oben vom Berg aus wollte ich sie erspähen. Nichts da! Sie sind weg! Scheisse! Keine Fortsetzung der Gaudi!

Ich muss zum Bus! Der fährt um 15:45 h. Auch will ich vorher versuchen, zu trampen und das Fahrgeld zu sparen! 3 Luka!.

Glücklich bringe ich die Hunde zrurück. Was für ein Spaß! So etwas hatte ich in diesen Corona Zeiten lange nicht mehr. Dieser insgesamt 7 stündige Ausflug hat sich gelohnt. Dafür bin ich je Strecke 94 km mit dem Bus gefahren.

Auch nach Caldera fahre ich ein zweites mal mit dem Bus. Dort gibt es leckeren Fisch direkt am Fischereihafen. Den will ich nochmal geniessen! Auch an den riesigen Seelöwen möchte ich mich wieder erfreuen.

Caldera ist eine Schlafstadt! Es gibt einige schöne Restaurants und Bars. An der Tür steht, dass am Wochenende bis 4 h geöffnet ist. Alle sind geschlossen. … und das bereits seit Monaten. Der Badeort würde sicherlich viel bieten! Wenig kommerzialisiert, ein Ort mit Charakter! Mehr als 900 km von Santiago entfernt. Den Reichen und Schönen ist das bestimmt zu weit weg von zuhause!

Wann kehrt normales Leben nach Chile zurück? Jeden Tag überschneiden sich an den Pfingsttagen die Corona Zahlen. Knapp 6000 Neuinfektionen am 31. Mai, der eintausendste Verstorbene wird gemeldet! Die Zahlen gehen einfach nicht zurück. … Und in Santiago brodelt es gewaltig! Wann kommt ein Bürgerkrieg? Auch mit Hilfe von Drohnen wird Santiago unter Kontrolle gehalten. In Sao Paulo knallt´s! In den USA erst recht! Es gibt reichlich Leute, die Lust und Bock auf eine Schlacht mit der Obrigkeit haben. In den Medien wird zunehmend über Selbstjustiz berichtet.

Hier im Hostel ist alles noch normal. Die Leute haben Arbeit! Ansonsten wären sie aber auch nicht hier.

An einem der Pfingsttage ruft mich Enrique der Spanischlehrer aus La Serena an. Er fragt, wann ich wieder zurückkomme. Er freut sich riesig, wenn ich wieder Unterricht nehme. Warum: Das brauche ich mich nicht fragen.

Ja, es ist richtig! Ich will in den kommenden Tagen wieder zurück ins AJIverde Hostel.

Ich verfolge jeden Tag die Entwicklung von Corona in Lateinamerika. Ecuador scheint, Stand Ende Mai 2020, fürs Erste das Schlimmste hinter sich zu haben. Ab 01. Juni dürfen Touristen über die beiden internationalen Flughäfen des Landes wieder einreisen. Flüge werden ab 03.06.2020 erwartet. Die Flughäfen wurden auf Gesundheitschecks aller Passagiere vorbereitet.

Wenn´s klappt, ist das eine Option für mich. Dort ist es auch viel wärmer als in Chile. Der Ausnahmezustand soll in Ecuador am 15. Juni enden! So der Plan!!!

Das Hostel in Copiapó bietet ein schnelles Wlan an. Ich kann hier gut an meinem Blog weiter arbeiten, mit Freunden per What´s App telefonieren und Surfen. Das klappte im Vicky Hostel nur sehr eingeschränkt. … und jeden Abend gibt es auf dem spanischsprachigen „DW“ Noticias aus Berlin! Also bleide ich auch 2 Nächte länger hier.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s